„Beppo Straßenkehrer“

Die „Strohstraße“

Na, da fragt man sich doch jetzt wirklich  –  was haben denn die Traubenhüter mit einer berühmten literarischen Figur zu tun, die eine wichtige Rolle in einem der bedeutendsten Bücher der Weltliteratur spielt?

Moment   –    der geneigte Blog-Konsument kennt Beppo Straßenkehrer nicht?

Also, kleiner Exkurs: in Michael Endes Buch „Momo“ wird die Geschichte der Titelheldin erzählt, wie sie mit Hilfe von Meister Hora und der Schildkröte Kassiopeia den „Grauen Herren“ das Handwerk legt und den Menschen die Zeit, die ihnen von den grauen Zeitdieben gestohlen wurde, wieder zurückbringt. Ein zeitloser (ha! – Wortspiel)  Roman für Leser jeden Alters und heute so aktuell, wie vor fast 50 Jahren, als er geschrieben wurde.

Die zwei besten Freunde Momos sind der Junge Gigi Fremdenführer und eben der alte Beppo Straßenkehrer. An einer der philosophischsten Stellen des Buches lässt Michael Ende Beppo über seine Arbeit sinnieren und was wichtig ist:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem.

So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

… da liegen sie, bis zum endgültigen Verteilen

Und was hat das mit den Traubenhütern zu tun? Nun, seit zwei Monaten liegen auf dem oberen Bannweg ja 500 Ballen Stroh (vgl. Blog „Da ward kein leeres Stroh gedroschen“) und so hat sich Thomas an den vergangenen goldenen Oktobersamstagen im Geiste Beppo Straßenkehrers an die Verteilung der Ballen im Unterzeilenbereich gemacht.

Die oberste Lage – nass und schwer

 

…zweite Zeile, links…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer dabei ins Eilen kommt, die oberste, nasse, doppelt so schwere Lage verflucht, die Zeit des Schleppens beginnt hochzurechnen, vielleicht anfängt, zwei Ballen auf einmal schwitzend und keuchend in die Reihen zu wuchten  –  der hat verloren! Hier hilft nur: Ballen für Ballen  –  erste, zweite, dritte Zeile, ablegen, zum großen Lager zurück und wieder von vorne, mal verschnaufen, mal mit Wanderern plaudern, in die Sonne blinzeln, nächster Ballen. Und siehe da – 500 mal 8-10 kg Stroh liegen da, wo sie hin sollen –  zwei Tagwerk!

…it`s a long way…
Man darf aber nie die ganze Straße auf einmal sehen!

 

Am Bestimmungsort angekommen

Im Grunde ist das die Grundlage unseres ökologischen Denkens und Handelns: ob man für´s „Straßen kehren“ nun „Stroh schleppen“, „Mist fahren“, „Laubarbeiten von Hand“ oder „Selektive Handlese“ einsetzt  –  mit der Einstellung Beppo Straßenkehrers macht es Freude und man ist nicht außer Puste  –  und das ist wichtig!

Aber bitte  –  nennt mich  n i c h t  Beppo!

„Thomas!“

2 Gedanken zu „„Beppo Straßenkehrer““

  1. Ja, tolle Sache.
    Und ebenso geht es mir mit 13 Fichtenbaumstämmen, von denen ich mir für den Winter noch einen aufbewahre, damit ich auch beim Hacken noch etwas Wärme abbekomme.
    Einen herzlichen Gruß aus dem „Tal der Ahnungslosen“ im Osten
    in das schöne Moseltal im Westen
    sendet euch Thorsten Ibald

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