Der (Blut-)mond ist aufgegangen

Live und in Farbe

Die Traubenhüter haben es wieder getan! In aller Herrgottsfrühe raus und bei „kuscheligen“  -10°C auf dem Kreuzlayberg den „Blutmond“, eine totale Mondfinsternis, beobachten. Dieses Phänomen zu bewundern hatten wir ja schon im letzten Juli das Vergnügen. Aber bei kalter, klarer Luft war es diesmal doch wesentlich eindrucksvoller.

Zwar befindet sich der Mond bei diesem Ereignis genau im Kernschatten der Erde, aber das Sonnenlicht wird seitlich an der Erdatmosphäre gebrochen und streut so rötliches Licht auf den Mond. Den martialischen Namen haben dann unsere Vorfahren geprägt.

Ein bisschen verschwommen, aber authentisch

Wenn man da so still auf der dunklen Feldflur steht, trotz des jungen Morgens Matthias Claudius`  „Abendlied“  im Sinn, die Eiseskälte einen wie mit frostigem Handschuh ins Gesicht packt, der Atem bei jedem Zug dicke Wolken formt und ein Sternenhimmel, relativ wenig von der Lichtverschmutzung beeinträchtigt, sich in seiner ganzen Unendlichkeit über einem wölbt  –  tja, da wird einem die eigene Rolle im Universum bewusst. Und man sieht  –  sie ist sehr, sehr klein, um nicht zu sagen unbedeutend.

Aber was rede ich – lege den Kopf in den Nacken, erkenne den mächtigen „GroßenWagen“ über mir und vorab, gegen Nordwesten, hängt die rote Scheibe des verfinsterten Vollmondes. Gänsehaut! Während Magdalena mit der Belichtungszeit der Kamera kämpft, denke ich daran, dass in diesem Jahr 50 Jahre „Mann im Mond“ gefeiert wird.

Und dann schießt noch lautlos eine Wahnsinns-Sternschnuppe von Nord nach Süd! Ich hab mir gleich den Weltfrieden gewünscht  –  aber was man sich wünscht, darf man ja nicht laut sagen  –  jetzt wisst ihr´s: Ich hab´s vermasselt!

Blutmondbedingungen gibt´s übrigens für uns erst wieder an Silvester 2028. Wir bereuen jedenfalls nicht, uns ein paar Stunden Schlaf für dieses Naturerlebnis „abgeknapst“ zu haben.

Vollmond

Abendlied

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold,
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt!

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost verlachen,
weil unsre Augen sie nicht sehen.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß und einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn ihr Brüder
in Gottes Namen nieder.
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

Matthias Claudius

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