Im Weinberg durch das Jahr (3) Aufbinden und Gipfeln

Als ich diesen Blog begonnen habe (vor der „atemlosen“ Zeit), schrieben wir den 12. Juni. An diesem Abend waren Magdalena und ich zum zweiten (!) Mal in der „Böschung“ aufbinden und wir stellten uns die Frage, wie lange wir wohl im wüchsigsten Teil der Anlage das Gipfeln (Einkürzen der Triebe über dem obersten Draht) noch hinauszögern können.

Ein Blick nach oben.

Heute, Anfang Juli, hat sich die Expressentwicklung in den Weinbergen ungebremst fortgesetzt. Einziger Begrenzungsfaktor ist die sich zunehmend verschärfende Trockenheit, die uns aber wenigstens im „Beikrautmanagement“ Luft lässt.

Es ist total verrückt:  ich komme mit dem Beschreiben der  turnusmäßigen Weinbergsarbeiten überhaupt nicht mehr nach! Eine alte Bauernregel besagt:   –  „Johanniblut“ immer gut, „Margaretenblut“ selten gut  –

Dabei bezieht sich das „-blut“ auf die Rebblüte. Man muss sich das vorstellen – eine Blüte zum Johannestag am 24. Juni galt als gutes Zeichen für ein herausragendes Weinjahr! In diesem Jahr ist die Blüte in den guten Lagen am 1. Juni „durch“ gewesen!! Drei Wochen Vorsprung! Wenn es nur einigermaßen so weitergeht, gehen wir Mitte September Riesling lesen! Es ist verrückt!

Jetzt hätte ich fast vergessen, ein paar Worte zum Arbeitsgang zu schreiben: mit Aufbinden bezeichnet man im Grunde alle Arbeiten, bei dem die wachsenden Rebtriebe im Drahtrahmen zu einer luftigen und lichten Laubwand geordnet werden oder in der Einzelpfahlerziehung drei bis vier Zieltriebe mit Naturbast am Pfahl hochgebunden werden. In früheren Zeiten war dies schon immer eine Arbeit, die auf Gedeih und Verderb von der Wüchsigkeit der Weinberge und somit vom wachstumsfördernden Wetter abhing. Jetzt sind wir wieder in 2018: in Hatzenport waren April, Mai und Juni rekordwarm und recht trocken. Zwischendurch gab es ganz selten mal ein, zwei schöne, durchgehende Regenfälle in der Größenordnung bis 20 l/m². Für die Rebe bis dato einfach ideal und deshalb standen und stehen die Traubenhüter jede freie Minute im Rebendschungel und tun ihr Bestes um Ordnung, Licht, Luft und Sonne ins Gewucher zu bringen.

Da wartet ordentlich Arbeit!

Die letzte umfassende Laubarbeit ist dann das Gipfeln („Stömbe“). Hierbei werden die Triebe, die teilweise über einen Meter über den obersten Draht des Spalierrahmens hinausgewachsen sind, eingekürzt. Mit einem möglichst langen Hinauszögern dieses Schnitts erreicht man, ähnlich wie bei einer frühen Entblätterung, eine lockere Traubenstruktur, die uns im Herbst hilft, Fäulnis vorzubeugen. Bei den Traubenhütern erfolgt das Gipfeln in aufwändiger Handarbeit mittels Rebschere. Belohnt wieder mal mit der Entdeckung eines wunderschönen Vogelnestes, das den Einsatz eines maschinellen Laubschnitts mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt hätte. Wir tippen übrigens  auf den Bluthänfling, den wir an gleicher Stelle vor zwei Jahren schon einmal verschwommen fotografiert haben.

Ein Schatzkästlein
Formvollendete Kunst und Architektur

 

 

 

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