Jungweinprobe

Das Werden eines guten Weines braucht Zeit! Eine Erkenntnis, die für den verantwortlichen Kellermeister eine ganz eigene Bedeutung hat.

Vorfreude

Nach den stürmischen Tagen der Gärung kommt der junge Wein  ganz langsam zur Ruhe. Die Hefe hat ihre Arbeit getan und sinkt erschöpft zum Fassboden. Auf diesem Bett gewinnt der Wein über die Wochen an Ausdruckskraft und profitiert von dem, was die Hefe an Inhaltsstoffen wieder abgibt. In dieser Zeit besteht die Hauptaufgabe des Winzers in der ständigen sensorischen Kontrolle der Jungweine. Heute war es bei uns Traubenhütern mal wieder soweit. Ja, es hat auch ein bißchen was Andächtiges, vor allem aber Genußvolles, die verschiedenen Tanks durch zu probieren. Noch überwiegt beim trockenen Kirchberg der etwas wilde, kohlensäuregeprägte, jugendliche Charakter, aber schon lassen vor allem die Rieslinge, denen wir etwas Restsüsse erhalten haben, den Trinkspaß vorausahnen, den sie uns im Frühsommer im Glas bereiten werden.

Spannung

Tja und dann ist da noch der Burg Bischofstein  –  zwischen den Jahren hat er uns einen kleinen Schreck eingejagt. Bis kurz vor Weihnachten hat der Most vom „Dolling“, wie gewünscht, jede Woche seine drei bis vier Grad Oechsle vergoren, um dann seine Gärtätigkeit scheinbar einzustellen. So ist das ja oft  –  ausgerechnet die Weine, die „trocken“ werden sollen, halten sich nicht an die Abmachungen. Dass Geduld und Zuversicht in diesen Fällen die besten Ratgeber sind, haben wir jetzt auch feststellen dürfen. Es war wohl nur die Feiertagsruhe, denn seit einer Woche „gluckst“ es wieder im Tank und wir drücken die Daumen, dass es der junge Wein aus den wurzelechten Reben noch in den trockenen Bereich schafft.

Top!

Es ist eine spannende Zeit im Keller, die Monate der Weinwerdung. Ich gebe gerne zu, dass auch mein Nervenkostüm ganz schön „rangenommen“ wird, gilt es doch, die Balance zwischen beherztem Eingreifen und „langer Leine“ zu finden. Andererseits belohnt uns der 2017er für alle Mühen des Vegetationsjahres. Schon jetzt bestätigt er unsere Philosophie – kein Jahr ist wie das andere. Die drei Jahrgänge, die bei uns nun im Keller liegen, zeigen wirklich den ganzen Facettenreichtum des Rieslings. Eine wahre Genussvielfalt, die sich zu erkunden lohnt.

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