Rotschwänzchens Refugium

Unter den wachsamen Augen von Mutti !

Im Frühjahr hatte uns Kollege Hörsch von der Raumordnungsabteilung der Landwirtschaftskammer ein „künstliches“ Schwalbennest geschenkt. Im Rahmen einer Aktion will man damit Rauch- und Mehlschwalben einen Nistanreiz bieten. Leider war Thomas mit dem Aufhängen eine Woche zu spät dran – die Schwalben (es könnten im Dorf mehr sein) hatten ihre Quartiere alle schon bezogen. So hing denn die Gipshalbschale schonmal am Häuschen hinten im Garten. Vor einigen Wochen kam dann „Leben in die Bude“. Besonders sorgfältig war die Nestgestaltung jetzt nicht, aber die neuen „Hausherren“, ein Rotschwänzchenpaar, hatten offensichtlich Großes vor. Und jetzt war es soweit  –   Eine Handvoll  Jungpiepmätze drängten sich im Nest und veranstalteten ein Mordstheater, damit die „Alten“ Futter ranschaffen. Dass wir dieses Jahr den Garten „verwildern“ lassen, hatte ich ja schon im vorletzten Blog beschrieben. Schöner Nebeneffekt  –  an Insektennahrung für „Rotschwänzchens“ mangelte es nicht. Wir befürchten, dass gewiss auch die ein oder andere „schöne“ Schmetterlingsraupe dabei war, aber so ist halt Natur.

Federknäuel

Vor einigen Tagen war dann der große Auszug angesagt. 4 Jungvögel stürzten sich todesmutig im Vertrauen auf ihre Schwingen in die Tiefe. Alles gut gegangen. Wir hoffen auf ein „Nistcomeback“ im nächsten Jahr!

Und jetzt – das Wetter Die Reben lechz(t)en nach Wasser

Was derzeit wettermäßig draußen „abgeht“, lässt uns Traubenhüter erstmal sprach- und auch ratlos zurück. Besonders die Junibilanz konnten wir nur mit einem ungläubigen Kopfschütteln registrieren:  der wärmste Juni seit Menschen Wetterdaten messen (und das weltweit!)  – in Hatzenport sage und schreibe nur 20l Regen/m²  –  und das nach dem gewaltigen Defizit von 2018 und dem bereits in diesem Jahr schon aufgelaufenen Niederschlags“loch“ von gut und gern 150l/m² !! Das ist Klimawandel live und wir können sagen, wir sind dabei gewesen. Zum Staunen und Gruseln!

Erste Einwände gegen diese meine Klimawandelfeststellung habe ich auch schon geliefert bekommen  –  „Heiße Sommer hat es früher auch schon gegeben“  –  Das ist richtig, aber nehmen wir mal das berühmte 1976. Dieses wahrhaft wüstenhafte Jahr war aber mit Abstand das einzige Hitzejahr zwischen 1972 und 1990 – also in 18 Jahren! Was wir aber seit mindestens 2003 am laufenden Band serviert kriegen, sind jährliche Hitzerekorde. Leute – das ist nicht mehr normal!

Nun ist die Rebe ja eine erstaunliche Pflanze und zumal der Riesling. Wir setzen viel Vertrauen in ihn, können bei der Weinbergsarbeit aber mit ihm mitfühlen. In einigen Ecken mag unser „wildes Begrünungsexperiment“ das Rebenwachstum stark eingebremst haben, aber im Großen und Ganzen fehlt einfach überall Wasser! Meinen Plan, die natürliche Begrünung Anfang Juli „nach der Samenreife“ zu mähen, kann ich getrost nach hinten schieben. Wie versengt bedeckt das „Stroh“ von Trespe, Klettenlabkraut, Kerbel und Co. die Weinbergsböden. Ich könnte mir gar vorstellen, dass diese „Beschattung“ u.U. noch was Gutes hat.

Gefühlsmäßig haben wir übrigens schon Mitte/Ende August, so ausgedörrt und flirrend präsentieren sich das Moseltal und die Maifeldhöhen. Und noch immer kein Regen in Sicht!

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Obige Zeilen habe ich am 8. Juli verfasst. Am 12. Juli hat das Wetter dann aber richtig zugeschlagen: Regen hatten wir uns ja gewünscht – 80 l/m² sind auch echt nicht schlecht  –  aber doch nicht in 2 Stunden!!! Und dann noch der Dejà vu mit Hagel: zwar nicht so katastrophal, wie vor drei Jahren, aber für Schäden an Blättern, Trauben und Trieben (in noch ungewisser Höhe) hat´s gereicht.

Sven Plöger von „meteomedia“ war es eine Meldung im SWR Fernsehen wert, aber auf diese „Werbung“ hätten wir gerne verzichtet. Dieses weitere Extremwetterereignis macht uns Sorgen. Die Abstände werden immer kürzer, die Intensität immer heftiger. Was wohl noch kommen mag? Und ob wir das jetzt schon wirklich wissen wollen?

Wilder Garten

Prächtiges Leinkraut

Das Insektensterben ist zur Zeit Thema in allen Medien.

Die Generation der „Baby-Boomer“, zu denen wir Traubenhüter uns ja zählen dürfen, kennt noch die berühmten beschmierten Windschutzscheiben – mit Mücken- und Mottenleichen „gepflastert“. Unser alter R4 mit der Revolverschaltung und einer senkrechten Frontscheibe betätigte sich in lauen Sommernächten als wahrer Fliegenfänger. Uns wurde erst in den letzten Jahren bewusst, dass wir das lange nicht mehr erlebt haben. Und nun ist es quasi „amtlich“: bis zu 80% Biomasseverlust wird bei den Insekten mittlerweile diagnostiziert! Dramatisch!

Was ist also zu tun? In diesem Jahr haben wir der Natur nicht nur die Weinberge in puncto natürlicher Begrünung überlassen, sondern auch unsere, früher gern „ordentlich“ kurz gehaltenen Wiesenflächen rund um`s Haus. Es ist erstaunlich! Wenn man einfach nur mal die Füsse ruhig hält und der Vielfalt beim Wachsen zusieht. Im wöchentlichen Rhytmus blüht in irgendeiner Ecke etwas, zaubert Farbtupfer ins Dickicht, verblüht und bildet Samen. Die ausgeprägte Trockenheit tut ihr Übriges dazu, dass schon zu einem so frühen Zeitpunkt erste Welkeerscheinungen auftreten. Aber auch das hat seinen Reiz! Und erst der Insektenbesatz! Es summt, brummt, fliegt, schwirrt, rasselt, kratzt, krabbelt und kriecht – Artenvielfalt!

Sonntag morgen haben wir einige Impressionen für euch eingefangen. Zur Nachahmung empfohlen. Traut euch!

Zarte Ackerwindenblüte, umgeben von Scharfem Mauerpfeffer und Hopfenklee
Schaf-Garbe
Wollköpfige Kratzdistel- Stachelige Schönheit
Schwarze Königskerze
Raupe des Jakobskrautbärs – Achtung giftig!
Passend zum 24. Juni (Johannestag) das echte Johanneskraut
Majestätisches Purpur – Stockrose
In gräserner Gesellschaft – die startbereiten „Fallschirmsamen“ des Wiesenbocksbarts
Stickstoffsammler Futterklee
Filligranes Blütengebilde – der Feinstrahl
Kräuterdickicht und Insektenparadies

Und jetzt – das Wetter Wo kommt nur überall das Kraut her…?

Die Traubenhüter schwitzen. Vom Vorfrühling und einem sehr unterkühlten Mai ist dieser Tage unvermittelt der Hochsommer ausgebrochen. Die Weinberge schreien nach Handarbeit. Und das Kraut….. Wir haben ja für dieses Jahr das große Experiment ausgerufen – bis zum 1. Juli wird am Bewuchs nicht rumgedoktert. Es kostet Überwindung. Die Kollegen haben alle schon gemulcht und die Weinberge sind „aufgeräumt“. Bei uns schießt alles in die Höhe. Vom humusliebenden Glatthafer über hunderte von Wiesenbocksbärten und Natternköpfen bis hin zu Klatschmohn und Storchenschnabel. Wir können nicht sagen, wo dieser Versuch hinführt, aber es wird probiert. Entscheidend wird sein, wie die Niederschlagsmenge und -intensität dem Boden Feuchtigkeit zuführt. Auf jeden Fall gibt es wunderschöne Bilder! Am letzten Wochenende haben auch viele Wanderer registriert, dass kontrolliert ökologisches Wirtschaften zu erkennen ist.  Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten.

 

Aus der Sicht eines Wanderers
Frühmorgendliche Saatmohnblüten im Gegenlicht

Trotz des augenscheinlich üppigen Wachstums, schleppen wir nach wie vor ein fettes Regendefizit mit uns rum. Der Mai brachte immerhin 83 l/m². Und auch der Vegetationsstand ist endlich mal wieder zeitlich richtig im Durchschnitt. Der Blütebeginn, eine ganz wichtige Bewertungsgröße, dürfte so im Gros in ein bis zwei Wochen starten. Immer noch etwas zu früh, aber o.k.

Suchbild – wo sind die Reben?

Die vielen aktuellen Diskussionen um die Erhaltung der Artenvielfalt und den Umgang mit der Natur lassen auch die Traubenhüter privat nicht kalt. Wir haben ja das Glück, rund um´s Haus viel Platz zu haben. Auch hier haben wir uns dazu entschieden, Ökologie walten zu lassen. Was hier nicht alles wächst! Man muss sich nur überwinden, „die Füsse ruhig zu halten“ und den überkommenen Ordnungssinn auszublenden.

Die Reben sind gut getarnt

 

 

 

Morgenkonzert

Letzte Woche hat Lydia auf eine „gute Mütze Morgenschlaf“ verzichtet und ist auf Vogelstimmenfang gegangen. Frühaufsteher auf dem Land kommen bei solcher Gelegenheit (5 – 6 Uhr morgens!) voll auf Ihre Kosten! Obwohl erste Pendler, Züge, Flugzeuge unterwegs sind, ist das vielstimmige Vogelkonzert ein Erlebnis der besonderen Art.

Die Traubenhüter müssen sich aber eingestehen, dass Stimmenerkennung bei unseren gefiederten Freunden nicht ihre Stärke ist. Vielleicht erkennen versierte Ornithologen die ein oder andere Individualmelodie. Wir würden uns freuen, wenn über die Kommentarfunktion eine fundierte Rückmeldung reinkommt!

 

Schneckenlotse

Am Tag des Eisheiligen Pankratius (12.5.) haben die Traubenhüter mal wieder in den Felsregionen „nach dem Rechten“ geguckt. Die Frühtemperaturen waren noch ganz schön „schattig“. Und doch haben wir eine Smaragdeidechse beim aufwärmenden Sonnenbad entdeckt. Wir sind uns relativ sicher, das wir genau diese wechselwarme Dame in den letzten Jahren schon öfters beobachtet haben. Immer wieder schön.

Einfach nur schön!

 

Aber auch andere Sonntagsspazierer sind unterwegs. Thomas betätigte sich als Gentleman und half der älteren Dame (oder vielleicht doch ein Herr? Weiß man bei den Weinbergsschnecken ja nie…) über die Straße, bevor noch ein Malheur passiert.

Was flitzt denn da über die Straße?
Die lässt sich sicher gerne helfen
Hab` dich!

 

Hängepartie

 

Geschafft!   Ab ins Grüne!

„Äilespeejels Arwet?“

Was ist das? „Äilespeejels Arwet“? Ins Hochdeutsche übersetzt: „Eulenspiegels Arbeit“. In der Regel bezeichnet man damit eine Tätigkeit, die man für überflüssig, lächerlich, unsinnig, grotesk  –  kurz, für die Arbeit eines Narren hält!  (Till Eulenspiegel soll ja auch eine zeitlang in Schilda gewohnt haben…). Beim Stroh schleppen hat mich ein pfälzisches Ehepaar beobachtet und sich alles erklären lassen  –  die waren aber ganz angetan davon.

Beim Blättern in vergangenen Blog – Einträgen habe ich  -„Landart“ mit Stroh im Kirchberg – gefunden. Dieselbe Arbeit, wenn auch in kleinerem Maßstab, habe ich mir in den letzten zwei Wochen in der „Böschung“ gemacht. Warum?

Landart zum zweiten

Ich brauche nicht lange zu überlegen, wenn ich nach unserer trockensten Parzelle gefragt werde  –  das ist unzweifelhaft diese heiße, steile, 100%ige Südlage hinter der St. Rochuskirche. Und jetzt lassen wir (übrigens gegen jede Lehrmeinung oder Winzermainstream) mal wirklich alles wachsen und hoffen auf viel blühenden Natternkopf, Wiesenbocksbart, Weinberglauch und und und…

Unter der Zeile aber möchte ich mir, ähnlich wie im „Bann“, mit der dicken Strohabdeckung eine gewisse Feuchtigkeit erhalten und den Mikroklima negativ beeinflussenden Krautbewuchs eindämmen. Dieses Experiment, dessen Ausgang mir, wie gesagt, alle Experten schon jetzt bescheinigen können  („Der Wingert fräckt!“), wird noch kniffliger durch das jetzt schon vorhandene Niederschlags- und Bodenfeuchtedefizit. Aber ich kann halt nicht immer sagen: „Man könnte mal, man müsste mal, man sollte mal…“

–  jetzt wird´s probiert! Und wenn ich im Herbst „Tom Eulenspiegel“ heiße  –  sei´s drum.

 

Und jetzt – das Wetter „I´m singing in the rain..“

…schön wär´s..

Mittlerweile ist es auch bis zu den 20 Uhr Nachrichten durchgedrungen – es fehlt Wasser an allen Ecken und Enden! Auch mit noch soviel Nachrechnen – es wird in Hatzenport nicht mehr als 520 l Niederschlag seit dem 1.1.2018,  also in 16 Monaten. Im Gegensatz zum letzten Jahr haben wir aber derzeit absolut keine Winterfeuchte. Jetzt wird es echt interessant, um es mal gelinde auszudrücken, wie das Ökosystem Weinberg mit der natürlichen Begrünung unter diesen Umständen zurecht kommt.

Am Ostermontag Morgen haben die Traubenhüter mal wieder ihre Flora-Fauna-Checkwanderung über den heißen Teil des Laysteigs gemacht. Eigentlich sollte der Beitrag „Eiersuche“ überschrieben werden. In den letzten zwei Wochen hat Magdalena bereits zwei Segelfalter beobachten können. Wir hofften daher auf frische Eiablagen an der Weichselkirsche – leider noch Fehlanzeige und daher anderer Titel.

Das fehlende Wasser zeigt an diesen Extremstandorten schon jetzt erste Folgen. Umso erfreulicher aber mehrere Zippammern rund um unseren Wetterstationswingert und zwei Smaragdeidechsen (!) im Bereich der Winzerhütte. Für ein scharfes Foto ist die Frühjahrswuselei der Protagonisten aber einfach zu ausgeprägt. Da hatte es unsere Schmetterlingskoryphäe Daniel Müller etwas einfacher. Den haben wir, gemütlich im Gras sitzend, bei der Aufnahme vom Kleinen Würfel-Dickkopffalter getroffen. Wir durften das Motiv mit ihm teilen.

Hier noch einige „Fundstücke“ eines „kühl-sonnigen Ostermontags-Frühlingsmorgens“.

Saatmohn als erster Farbklecks

 

Purpurstorchenschnabel und Färberwaid im Ensemble mit Felsflechtenhintergrund

 

Daniel Müllers Kleiner Würfeldickkopffalter

 

Nymphe einer unbekannten Langfühlerschrecke. Wir tippen tollkühn auf Steppensattelschrecke – Experten vor!

 

Rosenkäfer auf Wolligem Schneeball

 

Zwei der seltensten Farnvertreter in Eintracht beisammen – das ist was ganz Besonderes:  Nordischer Streifenfarn und schwarzstieliges Streifenfarn

 

Einfach faszinierend  –  ein unbekannter Hautflügler auf der Sonnenbank

Tja, und zum guten Schluss fiel mir noch beim Durchklicken der Fotos der letzten Woche ein Winterbild in die Hände. Ohne Scherz – die Aufnahmen stammen vom 14. April, 7.57 Uhr !! Hier bewahrheitet sich wieder die alte Hatzenporter Bauernregel: „Kirchberg im Schnee, bald Ostern im Klee!“

Beim Durchlesen dieses Sammelsurium-Blogs fällt mir sinngemäß ein: April, April, der macht was er will!

 

Ah, ja – und dann doch etwas tröstlich – die passende Bauernregel:

Wenn vor Georgi (23. April) Regen fehlt, wird man nachher damit gequält.

Ehrlich gesagt, brauchen wir die Quälerei auch nicht wirklich…

Es bleibt spannend.

Ein Photo – eine Geschichte

Augenblick plus 100 Jahre

Im Jahr 1920 entschloß sich der langjährige Dorfschullehrer Nikolaus Gerlach, im noch weitgehend unbebauten „Acker“ seinen Altersruhesitz zu errichten. In diesem Jahr, dem Auftakt zu einer turbulenten Dekade nicht nur der deutschen, nein sogar der Weltgeschichte, feierte der Erweiterungsbau der St. Rochuskirche und das neuerbaute Pfarrhaus sein 10-jähriges Jubiläum. Pfarrherr und Bewirtschafter des Pfarrgutes nebst Keller war Pastor Friedrich Wilhelm Joseph Brem (Pfarrer von 1909 – 1936). Über die Organisation der Weinbergsbewirtschaftung und des Weinausbaus ist wenig bekannt, die Pastöre dürften aber auf eine gewisse Stammhelferschaft an Gemeindemitgliedern zurück gegriffen haben. Sowohl Lehrer Gerlach, wie auch Pastor Brem hatten natürlich keine Ahnung, dass sie beide knapp hundert Jahre später ihre imposanten Bauten den Traubenhütern zur Nutzung überlassen würden. Eine herbstliche Aufnahme mit Traubenlesehelfern am Pfarrhauskeller 1932 haben wir auf unserer homepage unter „Der Weg der Traube“  –  „Unser Keller“ verewigt.

Am 2. März erreicht uns über Umwege eine mail von Frau Seyfarth aus Limburg. Angefügt ein altes Foto. Obwohl (in der ersten Version) seitenverkehrt entwickelt, ist es den Traubenhütern ein vertrauter Anblick – die Toröffnung des Pfarrhauskellers! Davor platziert eine bunte Truppe von Lesehelferinnen und Lesehelfern und Pastor Brem an ihrer Seite! Auch der Text auf der Rückseite ist beigefügt: „Traubenlese=Fest in Hatzenport a.d. Mosel bei Pastor Brem. Anfang Oktober 1920.“

Das sind solche Momente, wo man innerlich einen „Hauch von Geschichte“ verspürt, eine ganz eigene, fast wehmütige Stimmung um sich greift und man sich über die vielen Jahrzehnte mit den damaligen Zeitgenossen verbunden fühlt.

Frau Seyfarth fand das Foto im Nachlass ihrer Mutter, die auf dem Bild als junges Mädchen ganz vorne an den Trauben aus dem Weidenkorb nascht. Natürlich lebt heute niemand mehr, der uns Auskunft geben könnte, wer denn da dem „Herrn Pastor“ bei der Traubenlese geholfen hat. Senior Felix mit seinen 90 Jahren hatte lediglich ein paar Vermutungen hinsichtlich der Gesichtszüge einzelner Personen und deren Ähnlichkeit zu Gesichtern seiner Kindheit. Aber mit Sicherheit lässt sich niemand, von den Lesehelfern, außer Pastor Brem,  in einer Familie von Hatzenport „verorten“.

Ein bißchen stolz sind wir allerdings schon, dass wir die Tradition fortführen und bestes Lesegut „wie vor hundert Jahren“ ausbauen dürfen.

Danke schön an Frau Seyfarth, dass sie uns das Bild zur Verfügung gestellt hat.

Frühlingsintermezzi

Einige sehr schöne Frühlingstage liegen hinter uns. Den Rebschnitt haben wir Ende März abhaken können und auch die Binde- und Biegearbeiten sind schon weit fortgeschritten, sodass wir unter Umständen zwei Wochen „vor dem langjährigen Mittel“ eine Verschnaufpause nehmen können. Dann geht´s weiter mit filtrieren, Veranstaltungsplanungen, Wanderungskonzeptionierung und und und…. Immer was zu tun!

Umso schöner, so ganz nebenbei der Natur beim Erwachen zuzusehen!

Auffällig viele Schmetterlinge sind bereits unterwegs. Vom Zitronenfalterüber Mauerfuchs, Kleiner Fuchs bis hin zum hier abgelichteten Tagpfauenauge haben wir schon alles gesichtet. Fast schon surreal – ein Taubenschwänzchen am 21.3. auf dem Dolling!

Wunderschöne Farbtupfer sind auch die winzigen Blüten des Ehrenpreis. Man muss aber schon richtig nahe ran gehen, um dieses Blühwunder in seiner ganzen Filigranität wahrzunehmen.

 

Der „Klassiker in Blau“ ist natürlich immer noch die Traubenhyazinthe.

In unserer „Böschung“ breiten sie sich erfreulicherweise seit Jahren immer weiter aus. In diesem Jahr malerisch umrahmt von Strohballen.

 

Am Insektenhotel im Naafgraben an der Kelter ist die Hölle los. Ausgebucht sozusagen! Heerscharen von Mauerbienen balgen sich um die besten Röhren.

 

„Kuschelkurs“ dagegen bei den Mauereidechsen.

Das erste Exemplar schmiegte sich geradezu an den vorgewärmten Mauerstein wie an ein Schmusekissen. Und die beiden „Turteleidechsen“ hatten nur das Eine im Sinn. Viel Glück!

 

Auf dem Waldbegang des Waldausschusses konnten wir im „Kaveloch“ nicht nur ersten Froschlaich dokumentieren,

 

auch eine Goldammer beäugte aus sicherer Distanz die Szenerie. Schwierig auf Platte zu bannen!

 

Ein weiterer Frühlingsgast, der uns jedes Jahr mit zwei, drei Nestern hinter´m Haus beglückt, ist das Rotschwänzchen. So als wollte es uns sagen „da bin ich wieder“ präsentierte sich das Männchen Sonntag morgen auf unserer Terrasse.