„It never rains in southern Hatzenport“… oder „Have you ever seen the rain“

Diesen Blogeintrag hatte ich bereits vor drei Wochen erstellt. Seitdem haben Traubenlese und -vorbereitung mich voll in Beschlag genommen. Weil mir die Überschrift aber so gut gefallen hat, will ich ihn nicht vorenthalten. An der Trockenheit hat sich im übrigen trotz einer Regenflut von 38 l/m² am Sonntag, 23.9. nichts geändert.

Tja, da muss ich doch etwas tiefer in die 60er, 70er Jahre Songkiste greifen, um die derzeitige Dürre angemessen zu betiteln. Die Niederschlagsmenge pro Quadratmeter seit dem 1.1. aktuell:  273 mm/m²! Ein Defizit gegenüber dem langjährigen Mittel von fast 300 l/m²!

Und doch lässt sich auf sonntäglichen Streifzügen durch die verwelkten Felsregionen des Traumpfades unterhalb der Kreuzlay noch pflanzliches und tierisches Leben entdecken, selbst Blühendes!

Am meisten beeindruckt hat uns allerdings (obwohl wir sie im letzten Jahr in „El Dorado“ schon gewürdigt haben) die Goldaster. In überpflanzlicher Anstrengung hat sie irgendwo noch kleinste Wassermengen angezapft und investiert sie in leuchtend gelbe Blüten, um Insekten anzulocken und letztlich ihren Fortbestand zu sichern.

Für dieses leuchtende Gelb hat die Goldaster die letzten Reserven mobilisiert

Dauerbrenner was das Blühen angeht ist ja ohnehin die Karthäusernelke. Sie ist praktisch von April bis Oktober aktiv und erfreut uns als pinkfarbener Farbklecks in diesen braun-verbrannten Steppenlandschaften.

Rosa Blüte in der Wüste

Ein echtes Stilleben gibt der Dachhauswurz auf dem Foto ab. Man hat den Eindruck, ihm kann es gar nicht trocken genug sein. Der botanische Name lautet auch nicht umsonst „sempervivum“ (der immer Lebende)!

Für dieses Dachwurz-Flechten-Stilleben hat es Jahre gebraucht

Am Ende eines heißen, trockenen Vegetationsjahres ist die Berberitze bereits angekommen. Leuchtend rot gibt sie ihre Standorte in der Kreuzlay preis. Wie man nachlesen kann, eignen sich die Früchte hervorragend für Marmelade und sind auch „frisch vom Strauch“ essbar. Ich gebe zu – beides haben wir  n o c h  nicht ausprobiert.

Voller Berberitzen-Herbst

Zwar war die Suche nach Steppensattelschrecken (noch) nicht von Erfolg gekrönt, aber uns ist eine Gartenkreuzspinne ins (Foto-)Netz gegangen (boah – Mega-Wortspiel!).

„Fettes Teil“

 

Mariä Geburt ….

….fliegen die Schwalben furt! („Reim dich, oder ich fress`dich“). Tja, in diesem Jahr, wo ja alles viel früher ist, haben sich auch die Schwalben schon frühzeitig „vom Acker gemacht“. Der kirchliche Festtag Mariä Geburt am 8. September wurde gar nicht erst abgewartet.

Auch das „Sammeln“ der Schwalben  –  bevorzugt in großen Gruppen auf Stromleitungen  –  war in diesem Jahr auf ganz wenige Tage begrenzt.

Lagebesprechung

Früher hat man aus einem frühen Wegzug der Schwalben einen nachfolgenden harten Winter geschlussfolgert. Im Umkehrschluss dann natürlich auch gereimt: „Bleiben die Schwalben im September lange, sei Dir vor dem Winter nicht bange.“ Na, dann checken wir doch unsere Schlitten schon mal …..

Wir Traubenhüter freuen uns über jede Schwalbe, die wir beobachten können. Zu unserer Kinderzeit, als es im Dorf auch noch mehrere belegte Kuhställe gab, waren die Flugakrobaten zu Hunderten unterwegs. Es gab Misthaufen, die Millionen von Insekten als unerschöpfliche Nahrungsquelle „produzierten“ und unbefestigte Feldwege mit Schlammpfützen, wo sich Mehl- und Rauchschwalben mit Nestbaumaterial versorgten. Das hat sich ja nun in den Dörfern alles grundlegend geändert. Umso größer ist die Freude, wenn man an manchen Abenden Schwärmen von siebzig, achtzig Vögeln beim Insekten jagen zugucken kann.

Die Unterscheidung der beiden bei uns am häufigsten vorkommenden Arten ist gar nicht so schwer:  die Rauchschwalben haben lange Schwanzspieße und nisten innen (früher halt „im Rauch“ der mit Holz befeuerten Öfen); die Mehlschwalben haben einen kurzen, leicht gegabelten Schwanz und brüten außen unter überstehenden Dachkanten an Haus- oder Stallwänden in kunstvoll angeklebten Halbschalennestern aus Lehm.

Und wenn die Tiere Anfang April dann aus den Winterferien zurück kommen, heißt es erstmal: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, aber wir wissen, wir bewegen uns unweigerlich drauf zu.

Training für den großen Flug

Also, liebe Schwalben, einen „Guten Flug“ und bis nächstes Jahr!

Und jetzt – das Wetter (4) Trocken und heiß

Wir schreiben den 24. August 2018 und meine Gedanken gehen zurück ins Jahr 1947 ( an das ich mich natürlich nicht erinnern kann, aber ich besitze einen Jahresband der Fachzeitschrift „Der deutsche Weinbau“ aus diesem Jahr! ) Die Parallelen sind verblüffend!

Ähnlich wie 2018 war 1947 geprägt von einer sehr früh einsetzenden Trockenheit. In den „Berichten aus den Anbaugebieten“ wird ab Ende Mai immer wieder darauf hingewiesen. Und Ende August wird auch betrübt festgestellt, dass „die zu erwartenden Mengen die optimistischen Schätzungen des Frühjahres auf Grund der großen Dürre, teilweise bei weitem, nicht erfüllen werden“.

Somit ist über das Wetter ja dann auch schon alles gesagt…..

In der Vegetationsperiode von Mai – August müssen wir in Hatzenport mickrige 116 mm Regen/m² konstatieren  –  ein Defizit gegenüber dem Durchschnitt von 140 l/m²! Leute – wir leben in außergewöhnlichen Zeiten! Noch ein Fakten – Schmankerl: in diesem Zeitraum 80 (!) Sommertage (Tagesmaximum >25°C), davon 37 (!) heiße Tage (Tagesmaximum > 30°C)

Dabei erstaunt zuweilen, dass die Weinberge im Gros noch (von Weitem) recht gesund grün aussehen. Beim näheren Hinsehen allerdings lassen sich schon jetzt Ecken mit beginnender Notreife ausmachen. Im letzten von mir erinnerbaren, ausgesprochenen Dürrejahr 1976 hat es allerdings noch schlimmer ausgesehen. Da war der gesamte gegenüberliegende Moselhang um diese Zeit schon komplett im Herbstmodus. Unser „Indikator“ aber ist die Kreuzlay – sie hat sich in den letzten drei Wochen schon in die Winterruhe verabschiedet.

Kreuzlay im Herbstkleid

Was heißt das jetzt für den 2018er? Kurioserweise ist selbst bei anhaltender Trockenheit noch alles drin. Es wird auf das Gespür der „Wingertsmänner und -frauen“ ankommen. Leseterminierung, Selektion und zielgerichtetes, zügiges Arbeiten bei Traubenverarbeitung und Mosteinlagerung werden die entscheidenden Faktoren sein. Die Traubenhüter jedenfalls sind bis unter die Haarspitzen sensibilisiert und bereit, die Herausforderung anzunehmen! Auf einen guten Herbst!!!

Übrigens: das Weinjahr 1947 zählt zu den herausragenden Weinjahrgängen des 20. Jahrhunderts  –  das lässt doch hoffen.

Seltene Gäste

Nicht nur im Weinberg, auch auf der großen Wiese neben unserem Haus gehen wir hinsichtlich Artenvielfalt neue Wege. Zum ersten Mal haben wir uns in diesem Jahr vom „Idealbild“ der regelmäßig gemähten Graslandschaft verabschiedet („Rasen“ war´s noch nie  🙂  ). Lediglich an den Rändern haben wir zur Beruhigung der Nachbarn einen schmalen Streifen gestutzt. In diesem ausgesprochenen Schmetterlingsjahr und auch Dank des Schmetterlingsflieders in unmittelbarer Nähe hatten wir vielfältigsten flatterhaften Besuch: Segelfalter, Schwalbenschwanz, Weißlinge in allen Größenordnungen, Tagpfauenauge, Kaisermantel, Admiral, C-Falter und und und…

Kein Matrose – ein Admiral!

Ein farbenfroher Gast, den wir im ersten wildwachsendem Jahr noch nicht erwartet hätten, ist die Wespenspinne! Seit gut zwei Wochen fühlt sie sich in ihrem Netz nahe des jungen Hochstammapfelbaumes pudelwohl. Umgeben vom reich gedeckten, mittlerweile vollkommen verdorrten „Gräser- und blühendem Oregano-Tisch“, geht dem prächtigen Exemplar die Nahrung nicht aus. Ein Weinkunde aus der Schweiz, der die Artenvielfalt der Traubenhüterwiese bewunderte, entdeckte letzten Sonntag dann auch noch gleich ein zweites Exemplar!

Mit dem Kopf nach unten lauert die Wespenspinne auf Beute.

Weder Weinberg noch Blumenwiese, sondern unser Badezimmer suchte sich ein Lindenschwärmer für seinen Besuch aus. Ein beeindruckender Schmetterling mit bizarrer Flügelstruktur. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir solche, durchaus nicht häufig vorkommende Spezies, hier bei uns beobachten können.

Ein Prachtexemplar von Lindenschwärmer

Natürlich haben wir ihn nach dem Fotoshooting in die Freiheit entlassen!

 

Was machen eigentlich die Ökos zur Zeit?

Diese Frage stellt man mir in den letzten Wochen von Kollegenseite immer mal wieder, teils spöttisch, teils ehrlich interessiert, weil wir Traubenhüter ja nun wirklich fast anachronistisch Weinbau betreiben:  zu zweit im Steilhang, fast alles von Hand mit ungeheurem Zeitaufwand und dann auch noch Öko!

Tatsache ist, dass wir mit dem ungestümen Wachstum der Reben ganz schön gefordert waren. Erst in den letzten drei Wochen haben wir nach und nach unsere Weinberge gegipfelt. Das zeitlich ausgedehnte Längenwachstum hat die Trauben sehr lockerbeerig gelassen und wir versprechen uns davon eine geringere Abquetschungs- und damit Fäulnisgefahr, falls doch noch größere Niederschläge zur Reifephase hin auftreten sollten. Mittlerweile hat die sengende Hitze und die Trockenheit das Wachstum kräftig eingebremst. Sogar Pflanzenschutzbehandlungen sind zur Zeit kein Thema. Bis zur Lese wird es wahrscheinlich nur noch ein oder zwei Spritzungen mit „Backpulver“ geben (gegen Schimmelpilze und damit auch Botytis).

Hinzu kommt, dass wir nicht nur im Rahmen des „Moselprojektes“ blühende Weinberge und Säume haben wachsen lassen, sondern auf allen unseren Flächen der natürlichen Begrünung freien Lauf gelassen haben. (Es wurde sogar noch nicht einmal gemäht. Dank der trockenen Hitze ist alles mittlerweile verwelkt und hat Samen gebildet).

Der Lohn für all diese Mühen sind Begegnungen mit Flora und Fauna unserer artenreichen Heimat, die so nur „live“ draußen im Wingert erlebbar sind. Daher als einfache Antwort auf die Frage aus der Überschrift hier einige Bilder, die uns Ökos die Weinbergsarbeit versüssen (oh, wie poetisch…  😉

Die Raupe des Taubenschwänzchens in voller Pracht
Schwalbenschwanzraupe in den „Wilde-Möhre-Wiesen“ in der „Böschung“
Rapsglanzkäfer (?) auf Fingerkraut
Mauerpfeffer-Kaskaden im Kirchberg
Glücksfoto – Segelfalterraupe auf Weichselkirsche

Um mehr Sonnenlicht aufnehmen zu können, ruht die Raupe in aufrechter Haltung. Rechts oben sieht man noch die kleinen Beinchen.

 

Eichenspinnerraupe im Jungstadium (?)
Eikokons der Zwerg-Kugelspinne

Diese schneeweißen Eikokons gehören zu den auffälligsten Kokons heimischer Spinnen und übertreffen die Erbauerin deutlich an Größe.

„Schreck“ lich

Begünstigt durch die heiße, trockene Witterung der letzten Wochen und unterstützt von unserem ungestörten, vielfältigen Beikraut sind in diesem Jahr auffallend viele Schrecken unterwegs. Die „Stars“ dieser Spezies (Sattelschrecke, Ödlandschrecke, Grosses Heupferd) sind uns ja bekannt, wir sind aber sicher, dass von denen, die da im Weinberg zwischen unseren Beinen rumhüpfen, wohl auch noch einige auf der „Spezialistenliste“ stehen.

Gut getarnt im Holz
Zutrauliches Heupferd
– In diesem Jahr besonders Zahlreich
Heuschrecke „namenlos“- aber beeindruckend

 

 

 

Im Weinberg durch das Jahr (3) Aufbinden und Gipfeln

Als ich diesen Blog begonnen habe (vor der „atemlosen“ Zeit), schrieben wir den 12. Juni. An diesem Abend waren Magdalena und ich zum zweiten (!) Mal in der „Böschung“ aufbinden und wir stellten uns die Frage, wie lange wir wohl im wüchsigsten Teil der Anlage das Gipfeln (Einkürzen der Triebe über dem obersten Draht) noch hinauszögern können.

Ein Blick nach oben.

Heute, Anfang Juli, hat sich die Expressentwicklung in den Weinbergen ungebremst fortgesetzt. Einziger Begrenzungsfaktor ist die sich zunehmend verschärfende Trockenheit, die uns aber wenigstens im „Beikrautmanagement“ Luft lässt.

Es ist total verrückt:  ich komme mit dem Beschreiben der  turnusmäßigen Weinbergsarbeiten überhaupt nicht mehr nach! Eine alte Bauernregel besagt:   –  „Johanniblut“ immer gut, „Margaretenblut“ selten gut  –

Dabei bezieht sich das „-blut“ auf die Rebblüte. Man muss sich das vorstellen – eine Blüte zum Johannestag am 24. Juni galt als gutes Zeichen für ein herausragendes Weinjahr! In diesem Jahr ist die Blüte in den guten Lagen am 1. Juni „durch“ gewesen!! Drei Wochen Vorsprung! Wenn es nur einigermaßen so weitergeht, gehen wir Mitte September Riesling lesen! Es ist verrückt!

Jetzt hätte ich fast vergessen, ein paar Worte zum Arbeitsgang zu schreiben: mit Aufbinden bezeichnet man im Grunde alle Arbeiten, bei dem die wachsenden Rebtriebe im Drahtrahmen zu einer luftigen und lichten Laubwand geordnet werden oder in der Einzelpfahlerziehung drei bis vier Zieltriebe mit Naturbast am Pfahl hochgebunden werden. In früheren Zeiten war dies schon immer eine Arbeit, die auf Gedeih und Verderb von der Wüchsigkeit der Weinberge und somit vom wachstumsfördernden Wetter abhing. Jetzt sind wir wieder in 2018: in Hatzenport waren April, Mai und Juni rekordwarm und recht trocken. Zwischendurch gab es ganz selten mal ein, zwei schöne, durchgehende Regenfälle in der Größenordnung bis 20 l/m². Für die Rebe bis dato einfach ideal und deshalb standen und stehen die Traubenhüter jede freie Minute im Rebendschungel und tun ihr Bestes um Ordnung, Licht, Luft und Sonne ins Gewucher zu bringen.

Da wartet ordentlich Arbeit!

Die letzte umfassende Laubarbeit ist dann das Gipfeln („Stömbe“). Hierbei werden die Triebe, die teilweise über einen Meter über den obersten Draht des Spalierrahmens hinausgewachsen sind, eingekürzt. Mit einem möglichst langen Hinauszögern dieses Schnitts erreicht man, ähnlich wie bei einer frühen Entblätterung, eine lockere Traubenstruktur, die uns im Herbst hilft, Fäulnis vorzubeugen. Bei den Traubenhütern erfolgt das Gipfeln in aufwändiger Handarbeit mittels Rebschere. Belohnt wieder mal mit der Entdeckung eines wunderschönen Vogelnestes, das den Einsatz eines maschinellen Laubschnitts mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt hätte. Wir tippen übrigens  auf den Bluthänfling, den wir an gleicher Stelle vor zwei Jahren schon einmal verschwommen fotografiert haben.

Ein Schatzkästlein
Formvollendete Kunst und Architektur

 

 

 

Und jetzt – das Wetter (3) Atemlos…

Dieser Blog – Eintrag ist ja schon lange überfällig, aber als Begründung für die lange Pause fällt mir nur der Gassenhauer von Helene Fischer ein:  seit Anfang Mai sind wir in puncto Weinbergsarbeit einfach nur atemlos! Und wer hätte gedacht, dass meine Vorahnung aus Wetterblog (1) bezüglich einem heißen 2018 sich so bewahrheiten würde?

Hobbymeteorologen, Winzern und Landwirten bleibt einfach die Spucke weg! Das liegt in erster Linie nicht an der (zumindest in Hatzenport) geringen Niederschlagsmenge, sondern an den atemberaubenden Wetterphänomenen, die ganz Deutschland im April, Mai, Juni beherrschten:  heiße, wochenlange Trockenheit im Nordosten der Republik;  unwetterträchtige Starkniederschläge im Süden, Westen und Südwesten Deutschlands mit regelmäßigen Regenfluten von 50 – 80 l/m² ; ja, selbst Hagelstürme mit verheerenden Schäden in der Südpfalz und Rheinhessen. Dazu Durchschnittstemperaturen jenseits von 20° C, die in früheren „Jahrhundertsommern“ außergewöhnlichen Augustmonaten vorbehalten waren.

Ein Wolken „Mount Everest“ !
Hat das Zeug zum kräftigen Gewitter.

 

Was soll man da sagen? Der Startschuss für diesen Klimamarathon in die Hitze erfolgte bereits vor 150 Jahren mit dem Beginn der Industrialisierung und dem ungezügelten Verbrennen in der Hauptsache von Öl und Kohle. Wir leben heute live in der Welt, die wir uns in unserer Schulzeit vor 40 Jahren nur diffus unter „Folgen des Treibhauseffekts“ vorzustellen versuchten. Es soll vereinzelt „Optimisten“(?) geben, die den Moselweinbau zu den Gewinnern dieser „bedauerlichen Entwicklung“ halten  –  vergesst es!

Nicht, dass ich mich derzeit nicht an der üppigen Natur in den Weinbergen und rundum freue  –  aber es sollte uns schon ein wenig ängstigen, zumindest nachdenklich stimmen, wenn wir konstantieren müssen, dass auch 2018 wieder auf dem besten Weg ist, eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. Ich persönlich für meinen Teil kann ja tatsächlich noch ein bißchen mit „früher“ vergleichen  –  mein erstes Lehrjahr war 1984, das so schweinekalt war, dass man noch Anfang November Trauben lesen ging, die man auch beim besten Willen nicht „ausgereift“ nennen konnte. In den Gazetten prangten die doofen Schlagzeilen: „Kommt eine neue Eiszeit?“

Ich kann das alles nicht ändern, aber es muss schon noch Menschen geben, die den Finger heben und fragen:“Sagt mal Leute, wo soll´s eigentlich noch hingehen?“

Und jetzt – das Wetter (2) Der Mai ist gekommen

Junge, Junge, da tut sich vielleicht was in der Wetterküche!

Beim letzten Mal habe ich noch über einen „Märzwinter“ um den kalendarischen Frühlingsanfang (21. März) spekuliert – der dann auch prompt eingetroffen ist! Ich habe mich wirklich drüber gefreut, denn die Natur wurde entwicklungsmäßig endlich wieder in ein, der Jahreszeit entsprechendes, Niveau eingebremst.

Da aber der April macht, was er will, hat es dem Wetter gefallen, mal so richtig an der Wärmeschraube zu drehen. Herausgekommen ist der mit über 13° C Durchschnittstemperatur drittwärmste April der letzten Jahrzehnte! Die Natur ist förmlich explodiert, zehrte großzügig von den gut gefüllten Winterwasservorräten und im Weinberg konnte ein Austrieb um den 16. April festgestellt werden – dann doch wieder gut zwei Wochen vor dem langjährigen Mittel.

wohlriechende Frühlingsboten

Und der Mai setzt bisher in der ersten Dekade noch eins „on top“: Temperaturen von an die 28°C um diese Zeit gab es zwar schon mal, aber im Gesamtkontext war der Übergang vom Spätwinter zum Frühsommer ein gaaaanz kurzer.

Noch bis in die 80er Jahre war gerade der Zeitraum bis zur Monatsmitte Mai für alle Winzer ein ganz spannender. Die berühmten Eisheiligen Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und die „kalte“ Sophie (15. Mai) ließen nicht selten in dieser Zeit die ersten zarten Rebtriebe erfrieren. Auch wenn für den „Vatertag“ eine Temperaturdelle mit etwas Feuchtigkeit (Regen wird man es kaum nennen dürfen) angekündigt ist, so wird uns Frost mit großer Sicherheit verschonen.

Wie im Wetterblog (1) bereits orakelt, scheint 2018 wieder mal ein in Sachen Niederschlag zurückhaltendes Jahr zu werden. Ehrlich gesagt – gefällt mir nicht!

Im Weinberg durch das Jahr (2) Binden und Biegen

Hoppla –  da ist es doch schon Anfang Mai und den auf den Rebschnitt folgenden Arbeitsgang habe ich noch garnicht vorgestellt.

Am Wort „Erziehungsart“ kann man schon erkennen, dass die Kultivierung der Rebe ein bißchen was von „Kinder groß ziehen“ hat. Sollen gesunde, süsse Früchte im Herbst geerntet werden, muss die Pflanze angeleitet, erzogen werden, man muss ihr ein Gerüst bieten, an dem sie sich aufrichten und festhalten kann. Manchmal muss die Rebe gestutzt werden, manchmal muss man ihr Freiraum geben. Sie muss vor Negativeinflüssen geschützt werden und der Winzer muss ihr Rahmenbedingungen für eine optimale Entwicklung zur Verfügung stellen.

So haben sich über Jahrhunderte verschiedenste Erziehungsarten entwickelt, von denen sich in der heutigen Zeit der Drahtrahmen als diejenige mit den meisten Vorteilen herausgestellt hat. Als rankende Pflanze nutzt die Rebe die Drähte zur Ausbildung einer gut durchlüfteten, photosynthesestarken, arbeitswirtschaftlich gut zu managenden Laubwand.

Voraussetzung ist eine gute Befestigung der noch unbelaubten, verholzten Rebtriebe, die beim Schnitt übrig geblieben sind. Der Drahtrahmen sollte eine Rebenlebensdauer von 30 – 50(!) Jahren durchaus aushalten können. Unsere Weinberge haben wir im Jahr 1996 anlässlich der Flurbereinigung komplett als Flachbogen im Drahtrahmen konzipiert.

 

vorher

Lediglich einige wenige Eckchen, die zu kurz für ein Spalier waren, haben wir, damit sie nicht in Vergessenheit gerät, in klassischer Moseleinzelpfahlerziehung gestaltet. Sie entstand in einer Zeit, in der landwirtschaftlicher Grundbesitz extrem zersplittert und knapp war. Jeder Winzer suchte auf seinem kleinen Weinberg optimale Flächenausnutzung. So waren eine Pflanzanordnung von 1m x 1m (und weniger) und bis zu 6 oder 8 Rundbögen keine Seltenheit. Erst spät und auch mit modernem Pflanzgut setzte sich die Einsicht „Setz´mich frei und ich trag für drei!“ durch.

nachher

Vom ökologischen Standpunkt haben unsere Vorfahren mit der Verwendung von Weiden als Bindematerial und handgefertigten (Eichen-)holzpfählen alles richtig gemacht. „Moderne“ Materialien sind fast immer irgendwie kunststoffhaltig. In den nächsten Jahren werden wir uns peu à peu von diesen Gewohnheiten verabschieden. Ob wir dann ausschließlich wieder bei Bindeweiden landen, muss nicht sein, aber auch bei diesem Arbeitsschritt werden wir uns für eine nachhaltige Lösung entscheiden.