Und jetzt – das Wetter (2) Der Mai ist gekommen

Junge, Junge, da tut sich vielleicht was in der Wetterküche!

Beim letzten Mal habe ich noch über einen „Märzwinter“ um den kalendarischen Frühlingsanfang (21. März) spekuliert – der dann auch prompt eingetroffen ist! Ich habe mich wirklich drüber gefreut, denn die Natur wurde entwicklungsmäßig endlich wieder in ein, der Jahreszeit entsprechendes, Niveau eingebremst.

Da aber der April macht, was er will, hat es dem Wetter gefallen, mal so richtig an der Wärmeschraube zu drehen. Herausgekommen ist der mit über 13° C Durchschnittstemperatur drittwärmste April der letzten Jahrzehnte! Die Natur ist förmlich explodiert, zehrte großzügig von den gut gefüllten Winterwasservorräten und im Weinberg konnte ein Austrieb um den 16. April festgestellt werden – dann doch wieder gut zwei Wochen vor dem langjährigen Mittel.

wohlriechende Frühlingsboten

Und der Mai setzt bisher in der ersten Dekade noch eins „on top“: Temperaturen von an die 28°C um diese Zeit gab es zwar schon mal, aber im Gesamtkontext war der Übergang vom Spätwinter zum Frühsommer ein gaaaanz kurzer.

Noch bis in die 80er Jahre war gerade der Zeitraum bis zur Monatsmitte Mai für alle Winzer ein ganz spannender. Die berühmten Eisheiligen Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und die „kalte“ Sophie (15. Mai) ließen nicht selten in dieser Zeit die ersten zarten Rebtriebe erfrieren. Auch wenn für den „Vatertag“ eine Temperaturdelle mit etwas Feuchtigkeit (Regen wird man es kaum nennen dürfen) angekündigt ist, so wird uns Frost mit großer Sicherheit verschonen.

Wie im Wetterblog (1) bereits orakelt, scheint 2018 wieder mal ein in Sachen Niederschlag zurückhaltendes Jahr zu werden. Ehrlich gesagt – gefällt mir nicht!

Im Weinberg durch das Jahr (2) Binden und Biegen

Hoppla –  da ist es doch schon Anfang Mai und den auf den Rebschnitt folgenden Arbeitsgang habe ich noch garnicht vorgestellt.

Am Wort „Erziehungsart“ kann man schon erkennen, dass die Kultivierung der Rebe ein bißchen was von „Kinder groß ziehen“ hat. Sollen gesunde, süsse Früchte im Herbst geerntet werden, muss die Pflanze angeleitet, erzogen werden, man muss ihr ein Gerüst bieten, an dem sie sich aufrichten und festhalten kann. Manchmal muss die Rebe gestutzt werden, manchmal muss man ihr Freiraum geben. Sie muss vor Negativeinflüssen geschützt werden und der Winzer muss ihr Rahmenbedingungen für eine optimale Entwicklung zur Verfügung stellen.

So haben sich über Jahrhunderte verschiedenste Erziehungsarten entwickelt, von denen sich in der heutigen Zeit der Drahtrahmen als diejenige mit den meisten Vorteilen herausgestellt hat. Als rankende Pflanze nutzt die Rebe die Drähte zur Ausbildung einer gut durchlüfteten, photosynthesestarken, arbeitswirtschaftlich gut zu managenden Laubwand.

Voraussetzung ist eine gute Befestigung der noch unbelaubten, verholzten Rebtriebe, die beim Schnitt übrig geblieben sind. Der Drahtrahmen sollte eine Rebenlebensdauer von 30 – 50(!) Jahren durchaus aushalten können. Unsere Weinberge haben wir im Jahr 1996 anlässlich der Flurbereinigung komplett als Flachbogen im Drahtrahmen konzipiert.

 

vorher

Lediglich einige wenige Eckchen, die zu kurz für ein Spalier waren, haben wir, damit sie nicht in Vergessenheit gerät, in klassischer Moseleinzelpfahlerziehung gestaltet. Sie entstand in einer Zeit, in der landwirtschaftlicher Grundbesitz extrem zersplittert und knapp war. Jeder Winzer suchte auf seinem kleinen Weinberg optimale Flächenausnutzung. So waren eine Pflanzanordnung von 1m x 1m (und weniger) und bis zu 6 oder 8 Rundbögen keine Seltenheit. Erst spät und auch mit modernem Pflanzgut setzte sich die Einsicht „Setz´mich frei und ich trag für drei!“ durch.

nachher

Vom ökologischen Standpunkt haben unsere Vorfahren mit der Verwendung von Weiden als Bindematerial und handgefertigten (Eichen-)holzpfählen alles richtig gemacht. „Moderne“ Materialien sind fast immer irgendwie kunststoffhaltig. In den nächsten Jahren werden wir uns peu à peu von diesen Gewohnheiten verabschieden. Ob wir dann ausschließlich wieder bei Bindeweiden landen, muss nicht sein, aber auch bei diesem Arbeitsschritt werden wir uns für eine nachhaltige Lösung entscheiden.

Ein blaues Wunder

Die weiß bereifte Weinbergs-Traubenhyazinthe

Einen ersten wunderschönen Farbklecks im Weinberg gibt es zur Zeit in unserer „Böschung“ im Kirchberg hinter der St. Rochuskirche zu bewundern. Aus kleinen Pflanzenteppichen leuchtet uns das kräftige Blau der Weinbergs-Traubenhyazinthe entgegen. In den letzten Jahren hat sie sich mit Hilfe ihrer Zwiebelchen ein immer größeres Terrain erobert.

Auf sonnigen Böschungen

Die Traubenhyazinthe gilt in Deutschland als gefährdet. In früheren Jahren gab es sie in fast jedem etwas wärmeren Steillagenweinberg. Mit zunehmender Bodenbearbeitung und intensiverer Bewirtschaftung ist sie aber aus der Fläche fast verschwunden. In der „Böschung“ hat die Traubenhyazinthe jedoch optimale Ausbreitungsbedingungen: warmer, humoser Boden und einmaliges, spätes Mähen des Bewuchses. An sonnigen Tagen wie heute, Ostermontag, besuchen Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen das „blaue Wunder“.

 

Traubenhyazinthe mit wärmeliebender Gehörnter Mauerbiene

Im Vorgarten der „Traubenhüter“ hat die Gartenform der Traubenhyazinthe schon seit Jahren im zeitigen Frühling die Vorherrschaft über´s Gelände übernommen.

Und jetzt – das Wetter (1) Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…

…ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist!

Wetter  –  der augenblickliche Zustand der Atmosphäre  –  ist etwas Phantastisches!

  •   es ist jeden Tag, ob wir wollen oder nicht!
  •   es ist im wahrsten Sinne des Wortes unberechenbar! Selbst der                           leistungsstärkste Supercomputer kann das Wetter nicht über drei Tage hinaus zuverlässig zu 100% vorhersagen!
  •   die Menschen können das Wetter nicht steuern! Sie tun es zwar beim Klima ( damit letztlich auch beim Wetter) sogar sehr intensiv, leider aber auch völlig planlos. Ändern nach Plan, das können sie nie!
  •   und wir können uns wunderbar über´s Wetter unterhalten und aufregen  –  klappt meistens dann, wenn nichts wirklich Wichtiges passiert ist!
Die Stationen melden Frost

 

Seit Studiumszeiten interessiere ich mich für alles, was mit Klima, Wetter,Wolken und Co. zusammenhängt (Dank an Dieter Hoppmann und Hans-Helmut Schmitt vom DWD Geisenheim). Dabei immer auch in dem Bewusstsein, dass Hatzenport mikro- wie makroklimatisch irgendwie etwas Besonderes darstellt. Logische Folge war das „an Land ziehen“ einer Kachelmann-Wetterstation im Jahr 1999 und die Installation einer Messstation des Agrarmeldedienstes Rheinland-Pfalz im Jahr 2005 direkt daneben. So bleibe ich denn durch die Betreuung stets auf dem Laufenden.

Nicht zuletzt sind wir Winzer ja extrem vom Wetter abhängig. Haben mich früher in erster Linie vor allem Höchst- und Tiefsttemperaturen, Niederschlagswerte und Rekordwetterlagen fasziniert, hat dies in den letzten Jahren zunehmend auch einen Selbstbetroffenheitsaspekt in mir ausgelöst. Ich erwähne nur ungern das Hagelereignis vom 27.5.2016 oder die Spätfröste vom 20./21.4.2017 (In 2018 wäre demzufolge wieder irgendwas mit außergewöhnlicher Hitze dran  –  nur so ein Gefühl).

Lange Vorrede  –  kurzer Sinn: zukünftig gibt´s an dieser Stelle auch einen Wetter – Blog!

So muss Winter aussehen

Das Wetterjahr 2018 hat auf jeden Fall interessant begonnen. Die Wintermonate Dezember ´17 und Januar ´18 hatten ihren Namen nun wirklich nicht verdient. Unter´m Strich zwar gut für die Winterfeuchte (und für´s kleine Hochwasser), aber temperaturmäßig viel zu warm. Zwar sind wir hier in RLP nicht das klassische Winter-Wonderland, aber ein Januar ohne echten Frost (Tiefsttemperatur -1,7°C) ist wirklich nix! Als Winzer habe ich echt auf einen kalten Februar gehofft  –  und der Wunsch wurde erfüllt!  0 Vegetationstage (bedeutet: kein Tag mit einer Durchschnittstemperatur von > 5°C) und am 28. nochmal -12,5°C  –  genau das, was die Natur zum sinnvollen „Runterkommen“ gebraucht hat. Eine solche Wetterlage mit „Arctic Outbreak“ aus Nordosten ist dem „Major Warming“ mit Zusammenbruch des Polarwirbels in der Arktis zu verdanken (könnt ihr bei Interesse ja mal googeln) und hat uns z.B. 2013 einen bemerkenswerten „Märzwinter“ beschert.

Frühlingsboten tiefgekühlt

Dass ich Fan eines kalten, schneereichen Winters und Vorfrühlings bin, ist weniger der „Schädlingstodtheorie“ zu verdanken, die ich für blanken Unsinn halte, sondern damit, dass die Natur im wahrsten Sinne des Wortes eine Winterruhe, ja Winterstarre braucht, um dann mit Macht „loszuschlagen“. In diesem Sinne hoffen wir auf allzeit gedeihliches Wetter und einen „guten Herbst“.

P.S.: Seit dem 1. März ist meteorologischer Frühling. Im Kaffeesatz liest man derzeit, dass zum kalendarischen Start nochmal Kaltluft einfallen soll…. Schau´n mer mal!

 

 

 

Im Weinberg durch das Jahr (1) Rebschnitt

„Wenn der Bauer hinter´m Ofen pennt, der Winzer in den Wingert rennt“ Diese alte Bauernregel beschreibt sehr schön, dass der Winzer im Grunde das ganze Jahr unterwegs ist.

Rebe mit alten Fruchttrieben (vorher)

Mit dem Rebschnitt beginnt der neue Jahrgang. Durch das Zurückschneiden der Rebtriebe wird eine Balance zwischen vegetativer (Holz- und Laub-)produktion und generativer (Trauben-)leistung herzustellen versucht. Natürlich ist die letztendliche Qualität der Trauben von so vielen Faktoren beeinflusst, dass man auch dem Rebschnitt allein nicht alles „in die Schuhe schieben“ kann, aber mit einem am Standort und an der Rebsorte orientierten Schnitt ist die Richtung schonmal vorgegeben.

Fragt man zehn Winzer nach ihrer Lieblingsweinbergsarbeit, antworten 7-8 mit „Rebschnitt“. Im übrigen erhält man darüberhinaus auch mindestens zehn verschiedene, „einzig richtige“ Rebschnittempfehlungen!

Rebschnitt bei strahlendem Sonnenschein und Minusgraden

Auch die Traubenhüter lieben das Schneiden. Es ist zwar neben der Traubenlese die arbeitsintensivste Tätigkeit, aber man kann sie von November bis Ende März verteilen, sich sozusagen die schönsten Tage aussuchen. In der, trotz Frostluft, wärmenden Sonne zu stehen, intuitiv zu schneiden und zu meditieren, nachzusinnen über Gott und die Welt  –  das hat was! Die abgetrennten Triebe werden in 15 cm lange Stücke kleingeschnitten und dem Weinberg als Dauerhumus zurück gegeben. Unbedingt vermieden werden große Schnittwunden. Wenn es aber doch einmal unumgänglich wird, werden diese Eintrittspforten für allerlei Krankheitserreger mit Baumwachs verschlossen. Ausgefallene Reben werden mit buntem Band markiert, damit man die Fehlstellen im April bei Nachpflanzaktionen im Wingert schnell wiederfindet.

Freuen wir uns also auf ein gutes Weinjahr 2018 und „frisch an´s Werk!“

Zwei Hoffnungsträger für 2018! (nachher)

Jungweinprobe

Das Werden eines guten Weines braucht Zeit! Eine Erkenntnis, die für den verantwortlichen Kellermeister eine ganz eigene Bedeutung hat.

Vorfreude

Nach den stürmischen Tagen der Gärung kommt der junge Wein  ganz langsam zur Ruhe. Die Hefe hat ihre Arbeit getan und sinkt erschöpft zum Fassboden. Auf diesem Bett gewinnt der Wein über die Wochen an Ausdruckskraft und profitiert von dem, was die Hefe an Inhaltsstoffen wieder abgibt. In dieser Zeit besteht die Hauptaufgabe des Winzers in der ständigen sensorischen Kontrolle der Jungweine. Heute war es bei uns Traubenhütern mal wieder soweit. Ja, es hat auch ein bißchen was Andächtiges, vor allem aber Genußvolles, die verschiedenen Tanks durch zu probieren. Noch überwiegt beim trockenen Kirchberg der etwas wilde, kohlensäuregeprägte, jugendliche Charakter, aber schon lassen vor allem die Rieslinge, denen wir etwas Restsüsse erhalten haben, den Trinkspaß vorausahnen, den sie uns im Frühsommer im Glas bereiten werden.

Spannung

Tja und dann ist da noch der Burg Bischofstein  –  zwischen den Jahren hat er uns einen kleinen Schreck eingejagt. Bis kurz vor Weihnachten hat der Most vom „Dolling“, wie gewünscht, jede Woche seine drei bis vier Grad Oechsle vergoren, um dann seine Gärtätigkeit scheinbar einzustellen. So ist das ja oft  –  ausgerechnet die Weine, die „trocken“ werden sollen, halten sich nicht an die Abmachungen. Dass Geduld und Zuversicht in diesen Fällen die besten Ratgeber sind, haben wir jetzt auch feststellen dürfen. Es war wohl nur die Feiertagsruhe, denn seit einer Woche „gluckst“ es wieder im Tank und wir drücken die Daumen, dass es der junge Wein aus den wurzelechten Reben noch in den trockenen Bereich schafft.

Top!

Es ist eine spannende Zeit im Keller, die Monate der Weinwerdung. Ich gebe gerne zu, dass auch mein Nervenkostüm ganz schön „rangenommen“ wird, gilt es doch, die Balance zwischen beherztem Eingreifen und „langer Leine“ zu finden. Andererseits belohnt uns der 2017er für alle Mühen des Vegetationsjahres. Schon jetzt bestätigt er unsere Philosophie – kein Jahr ist wie das andere. Die drei Jahrgänge, die bei uns nun im Keller liegen, zeigen wirklich den ganzen Facettenreichtum des Rieslings. Eine wahre Genussvielfalt, die sich zu erkunden lohnt.

Grüne Glöckchen im Winter

In voller Blüte

Es ist nur ein Gerücht, dass man im Winter so ganz ohne Blühpflanzen auskommen muss. Gerade in unseren Breiten, wo die „kalte“ Jahreszeit oftmals (so auch dieses Jahr wieder) mit lauen Lüftchen daher kommt, ist auch im Dezember/Januar die ein oder andere Blüte zu entdecken. Ein ganz besonderer Vertreter ist die Stinkende Nieswurz, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der Name bezieht sich zum einen auf die etwas unangenehm riechenden Blüten und zum zweiten auf die Reizwirkung  auf die Schleimhäute.

Mehrjährige Laubblätter

Das kräftige Grün der Nieswurz ist auf den Flächen um die Wingerte leicht zu erspähen, da vieles andere, bis auf Moose und Farne, zu einem gleichmäßigen Graubraun verblasst ist.

Ein schönes Exemplar – die Stinkende Nieswurz

Die Pflanze schiebt zusätzlich zu den mehrjährigen dunkelgrünen Laubblättern ab November einen blassgrünen, verzweigten Stängel, an dessen Enden sich grüne, glockige, nickende Blüten bilden. An der Stinkenden Nieswurz kann man sehr schön den fließenden Übergang in der Blattausgestaltung von Laub- über Hoch- bis hin zu Blütenblättern erkennen. Manche Botaniker nehmen sie zum Beweis für die Behauptung, dass sich die Blütenblätter aus den Laubblättern entwickelt haben.

Winterliches Farbenspiel

Die einzige kräftige  Farbe zeigt sich am Blütenrand, der mit einem kräftigen Dunkelrot gesäumt wird.

 

Zur Verbreitung ihrer Art spannt die Nieswurz gerne Ameisen mit an: an ihren Samen angehängt befindet sich ein kleines, goldgelbes  „Anhängsel“, das Zucker, Fett und Vitamin C enthält. Die Ameisen schleppen alles in den Bau, schnappen sich die wertvolle Nahrung und entsorgen den Samen in näherer und weiterer Umgebung rund um ihren Hügel.

Wer diese Blühgeschichte irgendwo schon mal gehört hat  –  richtig: ganz eng verwandt mit der Stinkenden Nieswurz ist der Schwarze Nieswurz, besser bekannt als „Christrose“, die in den Alpen ihren Verbreitungsraum hat. Beide „Geschwister“ sind  geschützt!

Christrose in voller Blüte am 31. Dezember 2017

Magdalena hat heute beide Vertreter fotografisch „eingefangen“.

An der Schwelle zum neuen Jahr wünschen die Traubenhüter allen unseren Weinkunden, Bekannten und Naturliebhabern beste Gesundheit, Frieden und Zufriedenheit in einem glücklichen 2018!

„Mosella in Trauer“

Kalt und grau im Schiefer

Es ist nicht zu leugnen  –  die trüben, dunklen Tage sind da. Novembergrau ist die vorherrschende Stimmung, auch im Dezember. Fast bleischwer liegen Stille und Nebel über dem Moseltal. Und wenn es auch noch nieselregnet,  mag man weder Hund noch Mensch vor die Türe jagen. Der ein oder andere Traubenhüter wagt sich zum Rebschnitt in den Wingert, trudelt aber doch recht bald wieder zuhause in der warmen Stube ein, genießt kühlen Riesling und Schinkenbrot.

Zeit für die unerreichten „Schmandelekker“ und ihr „Mosella in Trauer“. Auf „You tube“ unter „Schmandelekker“ leicht auffindbar, beschreibt es unnachahmlich in Moselfränkisch die Gemütslage der Moselaner in diesen Tagen.             (Dank an Toni Steffens für den  musikalischen Geniestreich!)

Mit Hoffnungsschimmer

Mosella in Trauer

Dat Fest es ous, die Frimme säin all fott,                         die kann häi werklisch näist mi haale.                          Ganz stell, bi duut, läit jede Muuselort,                           dat kann doch kaanem mie gefalle.                                     Dä Summer gieht, die Sunn spillt häit woanners          un dat Verkehrsamt mäscht jetz zoh.                                Un bie en Viahang lääscht sech dann dä Newwel –    die Mussel hot jetz Roh!

Un wenn se dann kalt un grau em Schiefa läit              bie en ahl Fraa em Trouerkleid,                                            es dat fia misch dann die allerleevsde Zäit –                Häi an dä Mussel  –  dann säin esch daheim!

Wenn iwa Wenda jän die Parkbänk ren jeholt                   es widda Platz em Noabischhous.                                    Wenn en dä Stadt die Fonne enjerollt                                jien off der Boursch die Lischda ous.                                  Dä Winza mäscht säin letzte Kellerführung,               allan, et hiat em Kaanar zoh                                                     un och die Schiffja läien schunn em Hafe –                    die Mussel hot jetz Roh!

Un wenn se wäile…..

Nur Wäingott Bacchus dä stieht noch do un freat,           in säinem Röcksche jefft em kalt,                                        wird langsam nüchtern un jieht, wo´n jetzt hinjehiart, zom Pinnerbersch, zum Märschewald.                           Die Wingert leer, dat Wäinlab es om welke,                   dä näie Wäin läit schunn em Faaß,                                     un jeder Bersch nur kahle graue Felse                                 un decke Newwel, ewisch Rään un alles naaß,                 en dä Wäinstuff, en dem Säidegässje                              setz esch un trenke Schoppewäin,                                       dä es noch herber bie die Läit un bie dä Wenda –        häi säin esch daheim!

Un wenn se wäile…..

Und doch  –  in zweieinhalb Wochen werden die Tage wieder länger!

Heilija Sankt Määrdes..

Mit diesen Worten beginnt ein altes Lied, das die Hatzenporter Jugendlichen gesungen haben, nachdem das Martinsfeuer aufgebaut war und sie durch´s Dorf zogen, um Süssigkeiten oder etwas Geld für ihre Arbeit bei den Dorfbewohnern zu ergattern.

Gemeint ist der heilige Martin, dessen Namensfest in den katholischen Gebieten am 11. November gefeiert wird.

In vielen Orten, auch an der Mosel, werden dem Heiligen zu Ehren um den 11.11. große Feuer aufgeschichtet und ein Laternenumzug der Kinder, angeführt von Martin zu Pferd, zieht zum Feuer, wo es anschließend für jeden einen Brezel oder Martinsweck gibt.

Brandplatz an exponierter Stelle

Hier in Hatzenport ist es vor allem der exponierte Platz des Martinsfeuers, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Seit über 70 Jahren wird das Feuer auf einem markanten Felsvorsprung direkt neben der Kreuzlay von den „Määrdes-Kerlen“ fachmännisch aufgebaut und angezündet. In früheren Jahren gab es sozusagen einen eigenen Kodex: der älteste Junge der neunten Klasse war der „Hauptmann“. Er wachte darüber, dass ein ordentliches Fundament für´s Feuer gebaut wurde, alle ihren Arbeitseinsatz erbrachten und am Martinstag nachmittags auf dem Kreuzlayplateau am Lagerfeuer ihren verdienten Anteil an Fleischwurst und Saft bekamen.

Perfekt gestapelt

Von Ende September an kamen somit einige zig Arbeitsstunden zusammen, zumal das Brennmaterial oftmals mit Handwagen bergan transportiert werden musste. Das Aufschichten des Stapels auf dem kahlen Felssporn war immer eine heikle und diffizile Sache, die die älteren Jahrgänge vornahmen.

Bevor am Martinstag das Feuer entzündet wurde, wurde am Kreuz der „Engel des Herrn“ gebetet.

Anschließend durften drei Auserwählte an jeweils einer Seite das Feuer entfachen. Nicht ganz ungefährlich bei flackerndem Fackelschein und über einen schmalen Felspfad balancierend. Der Höhepunkt für alle Kerle war dann das anschließende „Runterlaufen“. Mit selbstgefertigten Wachsfackeln ging´s im wilden Lauf „im Rudel“ am Waldrand entlang bis zum Kirchpfad, die Serpentinen hinab und als krönenden Abschluß über die Basalttreppen an der Friedhofsmauer entlang. Ruhm und Ehre für den, der als Erster unten ankam! Wenn alle Määrdeskerle da waren, ging der Zug los.

Flammenspektakel

Das Abbrennen des Martinsfeuers von unten zu beobachten ist jedes Mal  ein spektakuläres Ereignis, so auch in diesem Jahr:

Die knochentrockenen, unbehandelten Einwegpaletten werden heutzutage von Feuerwehrleuten mit Hilfe von Stroh in Brand gesetzt. Von einem stetig wehenden Westwind angefacht, züngeln die ersten Feuerzungen gierig außen am Holzstapel hoch und nach wenigen Minuten steht alles in Flammen. In der Dunkelheit ist das Feuer, oder zumindest dessen Widerschein an den Wolken, von Moselkern bis Brodenbach und von Morshausen bis Münstermaifeld zu sehen.

„Flüssige Lava“

Es prasselt unheilvoll und einzelne glühende Holzstücke stürzen in die Tiefe, sodass es von weitem beinahe aussieht, als spucke ein Vulkan zähflüssiges Magma aus. Wie ein Heer von Glühwürmchen verglüht ein Funkenregen über der heißen, meterhohen Flamme. In einer halben Stunde ist die tagelange Schwerstarbeit der „Määrdeskerle“ in pure Wärmeenergie umgesetzt und man ist sich regelmäßig einig, „dass es in diesem Jahr das größte und schönste Martinsfeuer überhaupt“ war.

Für die Kinder gibt´s dann nach dem Umzug durch´s Dorf den „Martins-Weck“ und in vielen Familien anschließend die „Gans des kleinen Mannes“, einen deftigen „Deebbekooche“!

Der Martinstag ist auch bei den Winzern ein wichtiges Datum: traditionell werden an diesem Tag die Pachten beglichen.

Riesling, Musik und Wollfabrik

Vor einigen Jahren ist die Alte Wollfabrik in Moselkern dank eines engagierten Fördervereins aus dem Dornröschenschlaf geweckt und zu einer begehrten Kulisse für Konzerte der verschiedensten musikalischen Stilrichtungen geworden. Originale, puristische Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts mit großzügigem Raum- und Akustikangebot, mit direkter und indirekter Beleuchtung raffiniert in Szene gesetzt, ergeben ein Konzerterlebnis außerordentlicher Güte.

Glasklar – Warten auf den Auftritt

In den letzten beiden Jahren haben wir Traubenhüter mit zwei Winzerkollegen die MoselMusikFestival-Veranstaltungen mit unseren Rieslingen veredelt.

 

Einen kuriosen Musikstilmix bieten „The beez“ („Die Bienen“). 4 Musiker aus Deutschland, USA und Australien leben in ihren Konzerten ihre Lust an der Musik und der Show voll aus und begeistern jährlich nicht nur Australien während einer viermonatigen Tournee, sondern rockten in diesem Jahr auch die Wollfabrik.

The beez rocken die Fabrik

Schon abends darauf setzte Jessica Gall mit wunderbar sanft fließenden Jazzklängen einen Kontrapunkt zum „wilden“ Vorabend. Im dezent beleuchteten „großen Saal“ der Wollfabrik genossen die Zuhörer mit kühlem Riesling eine Stimme der Extraklasse.

„Blaue Stunde“

 

 

 

 

 

 

Eine Telemann-Matinee mit 4 jungen Musikern der „Hofkapelle Schloss Seehaus“ beschloß unter dem Titel „Barock zum Frühstück“ die Konzerttrilogie in der Wollfabrik.

Alte Musik – Junge Künstler

Mit virtuoser Instrumentenbeherrschung erwiesen die Musiker einem lange Zeit zu Unrecht verkannten Komponisten ihre Referenz. Klassische Musik mit Wein, Sekt und Frühstücksbüffett – das war ein gelungenes Experiment, das im nächsten Jahr  in der Wollfabrik wiederholt werden soll. Wir sind dabei!