Erd-Sterne zu Weihnachten

Es gibt wohl niemanden, der beim Blick in einen nachtschwarzen, aber mit Sternen übersäten Himmel nicht fasziniert ist. Ziemlich unerreichbar für uns, in unzählbarer Vielfalt in Sternenbilder eingebunden. Und jeder einzelne Stern birgt das Geheimnis von der Entstehung und des Daseins- dabei muss man für schöne Sterne gar nicht so weit in die Ferne blicken. Mitunter spriessen sie direkt neben unseren Wanderschuhen.

Wie viel Freuden werden zertreten,
weil die Menschen meist nur in die Höhe gucken und,
was zu ihren Füßen liegt,
nicht achten.
                                              Johann Wolfgang von Goethe

Was Magdalena da auf dem Laysteig fotografiert hat, sind sogenannte Erdsterne. Es sind kurioserweise Pilze, die es warm und trocken lieben, da sie ursprünglich in östlichen Steppengebieten zuhause sind (und so passen sie gut in die Gesellschaft anderer, seltener Steppenabkömmlinge wie Federgras, Goldaster und Co.).

Die Sporen dieser Pilze reifen im Innern des Fruchtkörpers. Dieser liegt zunächst unter der Erdoberfläche. Erst bei der Reife der Sporen reißt die Hülle mit 6-8 nach unten umgerollten Lappen sternförmig auf und drückt den Fruchtkörper aus dem Boden. An der Spitze der Innenhülle liegt eine Öffnung, aus der bei Wind die Sporen wie eine Rauchwolke entweichen.

Wo kommst du her?
Was birgst du in dir?

Diese Winzlinge üben auf uns ebenso eine Faszination aus und bergen Geheimnisse und Fragen.

Wir Menschen werden wohl nie alle Vorgänge restlos entschlüsseln!

 

 

Wahrscheinlich ist damit das Geheimnis von Weihnachten beschrieben. – Glück empfinden und gespannt sein, weil vieles um uns herum nicht zu erklären ist.

 

 

Wir wünschen all unseren Kunden und Lesern des Blogs,

Frohe Weihnachten             im Kreise Ihrer Lieben   
                                           und  
alles Gute für das Jahr                                  2019

……natürlich beim genießen der Geheimnisse unserer Weine 🙂

Morning has broken

Einen der ersten Frostmorgen dieses Herbstes haben die Traubenhüter vor zwei Wochen für ein besonders eindrucksvolles Naturerlebnis genutzt. Noch vor der Dämmerung haben wir unseren inneren Schweinehund überwunden, der doch tatsächlich ein langes Ausschlafen geplant hatte und uns zur Kreuzlay aufgemacht. Wenn man bedenkt, dass es Sonnenaufgänge  jeden Tag gibt, ist es umso unverständlicher, warum man nicht öfter dieses grandiose Schauspiel beobachtet.

Vorglühen

Im Tal ist es noch still, die Luft ist klar und kalt und minütlich verändern sich die Farben am südöstlichen Horizont. Zwischendurch wabern aus dem Ehrenburger Tal feinste Nebelschwaden, ziehen in halber Hanghöhe moselaufwärts, verwirbeln lautlos vor der Siebenuhrlay und lösen sich dann wie von Zauberhand auf.

Über´m Fahrbüsch steht wie ein Diamant die Venus, die jetzt, Mitte November, ab vier Uhr früh den Blickfang im Sternenhimmel darstellt. In Blickrichtung Kröpplingen beginnt sich derweil der Himmel von zartrosa über blaugelb bis orange zu verfärben und

Durchbruch

hinter den Bäumen am Horizont blitzt die Sonne wie ein glühender Ball auf. Das ist wirklich grandioses Open Air Kino!

 

Noch bevor die Flammenkugel uns, trotz der Frosttemperaturen, die wärmenden Strahlen über´s Gesicht streichelt, ist Richtung Burg Bischofstein schon das obere Drittel des Waldes beleuchtet.

 

Spot an!

Auch knapp über die Johanneskirche hinweg, lässt die Sonne wie ein Studioscheinwerfer einen blassorangenen Fingerzeig gleiten.

Ich kann euch sagen, dass wir ordentlich durchgefroren waren, aber es war nicht der letzte Sonnenaufgang, den wir uns in diesem Jahr „gegönnt“ haben!

Übrigens – zur Nachahmung empfohlen..

Amsel, Drossel, Fink und ?

Was war da draußen los am vorletzten Samstag gegen 10 Uhr? Im Hartriegel vor unserem Wohnzimmerfenster rangelten an die 50 Piepmätze um die vollreifen Beeren. Es dauerte tatsächlich eine Weile, bis einige wenige „Wuseler“ soviel Ruhe hielten, dass ich sie als Stare identifizieren konnte.

Stare! Kein Zweifel – Im Schlichtkleid (ab Herbst) mit weißen Tupfen übersät.

Und dann fiel mein Blick auf die fünf Stromleitungen zwischen unserem und dem Nachbarhaus  –  Hitchcock´s  „Vögel“  waren nix dagegen! Mit geschultem „Kranich-Überschlagszählung-Blick“ schätzte ich, dass da locker 400 Stare dicht an dicht aufgereiht die Drähte durchbogen. In dieser Art habe ich das zum ersten Mal gesehen und ein bißchen gruselig war´s auch.

Schaurig schön!

Wegen der Trauben und den Hütern werden die Stare wohl keine Freunde mehr von mir, aber mit diesem Massenauflauf haben sie mich doch ganz schön beeindruckt.

Und zu guter Letzt:  der Star ist „Vogel des Jahres 2018“  –  so hat er sich noch einmal nachhaltig in dieser „Funktion“ in Erinnerung gebracht!

„Gut Wein will Weile haben“ oder Riesling 2017 ist vollendet

Erinnerung an 2017

Es erscheint etwas widersprüchlich, jetzt, wo der neue Jahrgang in den Tanks liegt, den vergangenen Jahrgang in den Fokus zu rücken. Im Grunde ist es aber, der Traubenhüter-Philosophie folgend, nur logisch. In unserer schnelllebigen Zeit, in der alles jetzt und gleich sofort sein muss, ist es geradezu wohltuend, sich nun den Weinen zu widmen, deren Entstehung bereits mit den ersten Rebschnitten im Dezember 2016 begonnen und bis zu Füllung und Angebot in der Weinliste gut 21 Monate gedauert hat.

Rebschnitt in den Wintermonaten

 

Der Übergang vom Geschein zur Traube – die Traubenblüte im Juni

Nach (damals) historisch früher Traubenlese und viel Umsorgung der durch Spätfrost im April `17 in der Menge ordentlich reduzierten, flüssigen Schätze, haben wir den 2017er Riesling Mitte Juli 2018 gefüllt.

Wertvolle Fracht – Zwischenziel Anfang Oktober erreicht

 

Keltern und eine gute Lebenswelt für die Gärung schaffen
Letzter Check vor der Füllung
„Flüssiger Schatz“ oder „Gute Aussichten“
Sehnsuchtvolles Warten

 

Die Vollendung

Fünf Individualisten haben Quartier in unserem Flaschenlager bezogen: aus jeder der drei Weinbergslagen eine trockene Variante und aus unseren Parzellen im Kirchberg noch einen Riesling halbtrocken, sowie als Krönung eine edelsüsse Auslese. Von der feinwürzigen Süsse dieses Weines überwältigt, haben wir uns zur Verwendung des Prädikates entschlossen.

Fünf Individualisten bereiten Ihnen Gaumenfreude
Burg Bischofstein      trocken mineralisch-leicht
Kirchberg                     trocken kräftig und schieferbetont
Stolzenberg                 trocken vollmundig mit einer cremigen Note
Kirchberg             halbtrocken fein ausbalanciertes Süße-Säurespiel
Kirchberg  Auslese   edelsüss feinfruchtig                                                             hat sich das Prädikat Auslese wahrhaft verdient

Wie bereits seit unserem „Start up“ in 2015 haben wir auf Chaptalisierung verzichtet, sodass die trockenen Rieslinge in guter Moseltradition mit moderaten 11,5 – 12 Volumenprozent vorhandenem Alkohol aufwarten. Trinkgenuß pur!

Durch den geringen Hektatertrag von lediglich 35 hl, überzeugen die Weine durch ein ausgesprochen intensives Mundgefühl.

Wir haben die Weinpreisliste aktualisiert, sodass alle Weinfreunde derzeit unter neun individuellen Traubenhüter-Rieslingen auswählen können. Bestellen Sie ganz bequem über unsere Preisliste. Diese können Sie unter der Rubrick „Der Weg der Traube – Unsere Weine  oder  – Preisliste“ anfordern.  Nun heißt es also: Goldenen Oktober genießen und in flüssigen 2017er Erinnerungen schwelgen!

 

Traubenlese 2018 – Oh Herr, der Sommer war sehr groß – (und erst der Herbst)

Am Ende eines langen Sommers

…tja, in Zeiten des Weinbauklimawandels ist auch der gute, alte Rilke nicht mehr up to date. Trotz des Superlativs in seinem berühmten Gedicht, ist das leider mit dem „sehr groß“ eine fette Untertreibung!

Laut Agrarmeteorolgie RLP hatten wir am 17.10. den 108. Sommertag (Temperaturmaximum >25° C) in diesem Jahr!! Mit Fug und Recht gehen einem da die „historischen“ Rekordvermeldungen langsam aus. Parallelen sind 1921, 1947, 1959, 1976 und 2003  –  und doch ist 2018 „Primus inter Pares“.

An diesen außergewöhnlichen Sommer schloß sich dann ein „Wahnsinnsherbst“ an.

Ein Winzerkollege meinte: „Ob wir ein solches Jahr, eine solche Trockenheit, eine solche Lese wohl nochmal erleben werden? Wohl kaum!“ (Diese Aussage hält mindestens mal bis 2019 :))

Es hat eben einfach alles gepasst – eine passable Winterfeuchtigkeit, optimale Vegetationsbedingungen ab Anfang April, frühe Blüte, konstantes Wachstum, keinerlei Unwetter, null Pilzinfektionswetter, ein warmer, trockener September, kerngesunde Trauben, eine entspannte, entzerrte Traubenlese. Es hat, trotz aller Angespanntheit, einen Riesenspaß gemacht.

Neues Team

Die Traubenhüter haben in diesem Jahr bei den Helfern in der Lese den Generationswechsel geschafft: verdiente Recken wie Paul und Willi genossen das milde Traumwetter diesmal im Liegestuhl und Ira, Jule, Sophia und Anja machten ihre ersten Gehversuche im „steilen Bann“. Ihre Feuertaufe haben sie mit Bravour bestanden und wir freuen uns auf kommende Traubenlesen. (Auch weil Beate, Birgit, Annette, Marion, Lydia, Rolf, Holger, Angelina, Bärbel, Rainer, Justus, Simon und Dietmar den Traubenhütern wieder unter die Arme greifen.  Danke an euch alle!)

Selten haben wir in allen Weinbergen solch gesunde Trauben ernten dürfen.

Goldgelber Riesling aus ungewohnter Perspektive

 

Zum Anbeißen!

Sie haben uns einfach „angelacht“. Während der gesamten Lese haben wir die Sonne in vollen Zügen genossen.

Ein spannender Augenblick – der erste Most
90° Öchsle – so kann`s weitergehen

 

 

 

 

 

 

 

Mostgewichte von 86° bis 98° Oechsle und Erträge nur wenig über unserem angestrebten Hektarertrag von 6 Fuder, lassen das Winzer- und Kellermeisterherz jubilieren. Nach dem zweiten Jahr unserer Umstellung auf kontrolliert ökologischen Weinbau, glauben wir feststellen zu können, dass das Ökosystem sich schon ordentlich eingerenkt hat. In einem gesunden, artenvielfältigen Weinberg scheint auch die übergroße Trockenheit keinen bleibenden Schaden hinterlassen zu können.

Traubenleser – Pause

Der Weinjahrgang 2018, ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes und denkwürdiges Jahr, vollendet sich nun im Keller. Wir freuen uns, sind dankbar und stimmen Rilke nochmals zu: „Oh Herr, der Sommer war sehr groß!“

 

 

„It never rains in southern Hatzenport“… oder „Have you ever seen the rain“

Diesen Blogeintrag hatte ich bereits vor drei Wochen erstellt. Seitdem haben Traubenlese und -vorbereitung mich voll in Beschlag genommen. Weil mir die Überschrift aber so gut gefallen hat, will ich ihn nicht vorenthalten. An der Trockenheit hat sich im übrigen trotz einer Regenflut von 38 l/m² am Sonntag, 23.9. nichts geändert.

Tja, da muss ich doch etwas tiefer in die 60er, 70er Jahre Songkiste greifen, um die derzeitige Dürre angemessen zu betiteln. Die Niederschlagsmenge pro Quadratmeter seit dem 1.1. aktuell:  273 mm/m²! Ein Defizit gegenüber dem langjährigen Mittel von fast 300 l/m²!

Und doch lässt sich auf sonntäglichen Streifzügen durch die verwelkten Felsregionen des Traumpfades unterhalb der Kreuzlay noch pflanzliches und tierisches Leben entdecken, selbst Blühendes!

Am meisten beeindruckt hat uns allerdings (obwohl wir sie im letzten Jahr in „El Dorado“ schon gewürdigt haben) die Goldaster. In überpflanzlicher Anstrengung hat sie irgendwo noch kleinste Wassermengen angezapft und investiert sie in leuchtend gelbe Blüten, um Insekten anzulocken und letztlich ihren Fortbestand zu sichern.

Für dieses leuchtende Gelb hat die Goldaster die letzten Reserven mobilisiert

Dauerbrenner was das Blühen angeht ist ja ohnehin die Karthäusernelke. Sie ist praktisch von April bis Oktober aktiv und erfreut uns als pinkfarbener Farbklecks in diesen braun-verbrannten Steppenlandschaften.

Rosa Blüte in der Wüste

Ein echtes Stilleben gibt der Dachhauswurz auf dem Foto ab. Man hat den Eindruck, ihm kann es gar nicht trocken genug sein. Der botanische Name lautet auch nicht umsonst „sempervivum“ (der immer Lebende)!

Für dieses Dachwurz-Flechten-Stilleben hat es Jahre gebraucht

Am Ende eines heißen, trockenen Vegetationsjahres ist die Berberitze bereits angekommen. Leuchtend rot gibt sie ihre Standorte in der Kreuzlay preis. Wie man nachlesen kann, eignen sich die Früchte hervorragend für Marmelade und sind auch „frisch vom Strauch“ essbar. Ich gebe zu – beides haben wir  n o c h  nicht ausprobiert.

Voller Berberitzen-Herbst

Zwar war die Suche nach Steppensattelschrecken (noch) nicht von Erfolg gekrönt, aber uns ist eine Gartenkreuzspinne ins (Foto-)Netz gegangen (boah – Mega-Wortspiel!).

„Fettes Teil“

 

Mariä Geburt ….

….fliegen die Schwalben furt! („Reim dich, oder ich fress`dich“). Tja, in diesem Jahr, wo ja alles viel früher ist, haben sich auch die Schwalben schon frühzeitig „vom Acker gemacht“. Der kirchliche Festtag Mariä Geburt am 8. September wurde gar nicht erst abgewartet.

Auch das „Sammeln“ der Schwalben  –  bevorzugt in großen Gruppen auf Stromleitungen  –  war in diesem Jahr auf ganz wenige Tage begrenzt.

Lagebesprechung

Früher hat man aus einem frühen Wegzug der Schwalben einen nachfolgenden harten Winter geschlussfolgert. Im Umkehrschluss dann natürlich auch gereimt: „Bleiben die Schwalben im September lange, sei Dir vor dem Winter nicht bange.“ Na, dann checken wir doch unsere Schlitten schon mal …..

Wir Traubenhüter freuen uns über jede Schwalbe, die wir beobachten können. Zu unserer Kinderzeit, als es im Dorf auch noch mehrere belegte Kuhställe gab, waren die Flugakrobaten zu Hunderten unterwegs. Es gab Misthaufen, die Millionen von Insekten als unerschöpfliche Nahrungsquelle „produzierten“ und unbefestigte Feldwege mit Schlammpfützen, wo sich Mehl- und Rauchschwalben mit Nestbaumaterial versorgten. Das hat sich ja nun in den Dörfern alles grundlegend geändert. Umso größer ist die Freude, wenn man an manchen Abenden Schwärmen von siebzig, achtzig Vögeln beim Insekten jagen zugucken kann.

Die Unterscheidung der beiden bei uns am häufigsten vorkommenden Arten ist gar nicht so schwer:  die Rauchschwalben haben lange Schwanzspieße und nisten innen (früher halt „im Rauch“ der mit Holz befeuerten Öfen); die Mehlschwalben haben einen kurzen, leicht gegabelten Schwanz und brüten außen unter überstehenden Dachkanten an Haus- oder Stallwänden in kunstvoll angeklebten Halbschalennestern aus Lehm.

Und wenn die Tiere Anfang April dann aus den Winterferien zurück kommen, heißt es erstmal: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, aber wir wissen, wir bewegen uns unweigerlich drauf zu.

Training für den großen Flug

Also, liebe Schwalben, einen „Guten Flug“ und bis nächstes Jahr!

Und jetzt – das Wetter (4) Trocken und heiß

Wir schreiben den 24. August 2018 und meine Gedanken gehen zurück ins Jahr 1947 ( an das ich mich natürlich nicht erinnern kann, aber ich besitze einen Jahresband der Fachzeitschrift „Der deutsche Weinbau“ aus diesem Jahr! ) Die Parallelen sind verblüffend!

Ähnlich wie 2018 war 1947 geprägt von einer sehr früh einsetzenden Trockenheit. In den „Berichten aus den Anbaugebieten“ wird ab Ende Mai immer wieder darauf hingewiesen. Und Ende August wird auch betrübt festgestellt, dass „die zu erwartenden Mengen die optimistischen Schätzungen des Frühjahres auf Grund der großen Dürre, teilweise bei weitem, nicht erfüllen werden“.

Somit ist über das Wetter ja dann auch schon alles gesagt…..

In der Vegetationsperiode von Mai – August müssen wir in Hatzenport mickrige 116 mm Regen/m² konstatieren  –  ein Defizit gegenüber dem Durchschnitt von 140 l/m²! Leute – wir leben in außergewöhnlichen Zeiten! Noch ein Fakten – Schmankerl: in diesem Zeitraum 80 (!) Sommertage (Tagesmaximum >25°C), davon 37 (!) heiße Tage (Tagesmaximum > 30°C)

Dabei erstaunt zuweilen, dass die Weinberge im Gros noch (von Weitem) recht gesund grün aussehen. Beim näheren Hinsehen allerdings lassen sich schon jetzt Ecken mit beginnender Notreife ausmachen. Im letzten von mir erinnerbaren, ausgesprochenen Dürrejahr 1976 hat es allerdings noch schlimmer ausgesehen. Da war der gesamte gegenüberliegende Moselhang um diese Zeit schon komplett im Herbstmodus. Unser „Indikator“ aber ist die Kreuzlay – sie hat sich in den letzten drei Wochen schon in die Winterruhe verabschiedet.

Kreuzlay im Herbstkleid

Was heißt das jetzt für den 2018er? Kurioserweise ist selbst bei anhaltender Trockenheit noch alles drin. Es wird auf das Gespür der „Wingertsmänner und -frauen“ ankommen. Leseterminierung, Selektion und zielgerichtetes, zügiges Arbeiten bei Traubenverarbeitung und Mosteinlagerung werden die entscheidenden Faktoren sein. Die Traubenhüter jedenfalls sind bis unter die Haarspitzen sensibilisiert und bereit, die Herausforderung anzunehmen! Auf einen guten Herbst!!!

Übrigens: das Weinjahr 1947 zählt zu den herausragenden Weinjahrgängen des 20. Jahrhunderts  –  das lässt doch hoffen.

Seltene Gäste

Nicht nur im Weinberg, auch auf der großen Wiese neben unserem Haus gehen wir hinsichtlich Artenvielfalt neue Wege. Zum ersten Mal haben wir uns in diesem Jahr vom „Idealbild“ der regelmäßig gemähten Graslandschaft verabschiedet („Rasen“ war´s noch nie  🙂  ). Lediglich an den Rändern haben wir zur Beruhigung der Nachbarn einen schmalen Streifen gestutzt. In diesem ausgesprochenen Schmetterlingsjahr und auch Dank des Schmetterlingsflieders in unmittelbarer Nähe hatten wir vielfältigsten flatterhaften Besuch: Segelfalter, Schwalbenschwanz, Weißlinge in allen Größenordnungen, Tagpfauenauge, Kaisermantel, Admiral, C-Falter und und und…

Kein Matrose – ein Admiral!

Ein farbenfroher Gast, den wir im ersten wildwachsendem Jahr noch nicht erwartet hätten, ist die Wespenspinne! Seit gut zwei Wochen fühlt sie sich in ihrem Netz nahe des jungen Hochstammapfelbaumes pudelwohl. Umgeben vom reich gedeckten, mittlerweile vollkommen verdorrten „Gräser- und blühendem Oregano-Tisch“, geht dem prächtigen Exemplar die Nahrung nicht aus. Ein Weinkunde aus der Schweiz, der die Artenvielfalt der Traubenhüterwiese bewunderte, entdeckte letzten Sonntag dann auch noch gleich ein zweites Exemplar!

Mit dem Kopf nach unten lauert die Wespenspinne auf Beute.

Weder Weinberg noch Blumenwiese, sondern unser Badezimmer suchte sich ein Lindenschwärmer für seinen Besuch aus. Ein beeindruckender Schmetterling mit bizarrer Flügelstruktur. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir solche, durchaus nicht häufig vorkommende Spezies, hier bei uns beobachten können.

Ein Prachtexemplar von Lindenschwärmer

Natürlich haben wir ihn nach dem Fotoshooting in die Freiheit entlassen!

 

Was machen eigentlich die Ökos zur Zeit?

Diese Frage stellt man mir in den letzten Wochen von Kollegenseite immer mal wieder, teils spöttisch, teils ehrlich interessiert, weil wir Traubenhüter ja nun wirklich fast anachronistisch Weinbau betreiben:  zu zweit im Steilhang, fast alles von Hand mit ungeheurem Zeitaufwand und dann auch noch Öko!

Tatsache ist, dass wir mit dem ungestümen Wachstum der Reben ganz schön gefordert waren. Erst in den letzten drei Wochen haben wir nach und nach unsere Weinberge gegipfelt. Das zeitlich ausgedehnte Längenwachstum hat die Trauben sehr lockerbeerig gelassen und wir versprechen uns davon eine geringere Abquetschungs- und damit Fäulnisgefahr, falls doch noch größere Niederschläge zur Reifephase hin auftreten sollten. Mittlerweile hat die sengende Hitze und die Trockenheit das Wachstum kräftig eingebremst. Sogar Pflanzenschutzbehandlungen sind zur Zeit kein Thema. Bis zur Lese wird es wahrscheinlich nur noch ein oder zwei Spritzungen mit „Backpulver“ geben (gegen Schimmelpilze und damit auch Botytis).

Hinzu kommt, dass wir nicht nur im Rahmen des „Moselprojektes“ blühende Weinberge und Säume haben wachsen lassen, sondern auf allen unseren Flächen der natürlichen Begrünung freien Lauf gelassen haben. (Es wurde sogar noch nicht einmal gemäht. Dank der trockenen Hitze ist alles mittlerweile verwelkt und hat Samen gebildet).

Der Lohn für all diese Mühen sind Begegnungen mit Flora und Fauna unserer artenreichen Heimat, die so nur „live“ draußen im Wingert erlebbar sind. Daher als einfache Antwort auf die Frage aus der Überschrift hier einige Bilder, die uns Ökos die Weinbergsarbeit versüssen (oh, wie poetisch…  😉

Die Raupe des Taubenschwänzchens in voller Pracht
Schwalbenschwanzraupe in den „Wilde-Möhre-Wiesen“ in der „Böschung“
Rapsglanzkäfer (?) auf Fingerkraut
Mauerpfeffer-Kaskaden im Kirchberg
Glücksfoto – Segelfalterraupe auf Weichselkirsche

Um mehr Sonnenlicht aufnehmen zu können, ruht die Raupe in aufrechter Haltung. Rechts oben sieht man noch die kleinen Beinchen.

 

Eichenspinnerraupe im Jungstadium (?)
Eikokons der Zwerg-Kugelspinne

Diese schneeweißen Eikokons gehören zu den auffälligsten Kokons heimischer Spinnen und übertreffen die Erbauerin deutlich an Größe.