„Beppo Straßenkehrer“

Die „Strohstraße“

Na, da fragt man sich doch jetzt wirklich  –  was haben denn die Traubenhüter mit einer berühmten literarischen Figur zu tun, die eine wichtige Rolle in einem der bedeutendsten Bücher der Weltliteratur spielt?

Moment   –    der geneigte Blog-Konsument kennt Beppo Straßenkehrer nicht?

Also, kleiner Exkurs: in Michael Endes Buch „Momo“ wird die Geschichte der Titelheldin erzählt, wie sie mit Hilfe von Meister Hora und der Schildkröte Kassiopeia den „Grauen Herren“ das Handwerk legt und den Menschen die Zeit, die ihnen von den grauen Zeitdieben gestohlen wurde, wieder zurückbringt. Ein zeitloser (ha! – Wortspiel)  Roman für Leser jeden Alters und heute so aktuell, wie vor fast 50 Jahren, als er geschrieben wurde.

Die zwei besten Freunde Momos sind der Junge Gigi Fremdenführer und eben der alte Beppo Straßenkehrer. An einer der philosophischsten Stellen des Buches lässt Michael Ende Beppo über seine Arbeit sinnieren und was wichtig ist:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem.

So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

… da liegen sie, bis zum endgültigen Verteilen

Und was hat das mit den Traubenhütern zu tun? Nun, seit zwei Monaten liegen auf dem oberen Bannweg ja 500 Ballen Stroh (vgl. Blog „Da ward kein leeres Stroh gedroschen“) und so hat sich Thomas an den vergangenen goldenen Oktobersamstagen im Geiste Beppo Straßenkehrers an die Verteilung der Ballen im Unterzeilenbereich gemacht.

Die oberste Lage – nass und schwer

 

…zweite Zeile, links…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer dabei ins Eilen kommt, die oberste, nasse, doppelt so schwere Lage verflucht, die Zeit des Schleppens beginnt hochzurechnen, vielleicht anfängt, zwei Ballen auf einmal schwitzend und keuchend in die Reihen zu wuchten  –  der hat verloren! Hier hilft nur: Ballen für Ballen  –  erste, zweite, dritte Zeile, ablegen, zum großen Lager zurück und wieder von vorne, mal verschnaufen, mal mit Wanderern plaudern, in die Sonne blinzeln, nächster Ballen. Und siehe da – 500 mal 8-10 kg Stroh liegen da, wo sie hin sollen –  zwei Tagwerk!

…it`s a long way…
Man darf aber nie die ganze Straße auf einmal sehen!

 

Am Bestimmungsort angekommen

Im Grunde ist das die Grundlage unseres ökologischen Denkens und Handelns: ob man für´s „Straßen kehren“ nun „Stroh schleppen“, „Mist fahren“, „Laubarbeiten von Hand“ oder „Selektive Handlese“ einsetzt  –  mit der Einstellung Beppo Straßenkehrers macht es Freude und man ist nicht außer Puste  –  und das ist wichtig!

Aber bitte  –  nennt mich  n i c h t  Beppo!

„Thomas!“

Moviestar – oh Moviestar

Das „Super-Film-Team“

Die Traubenhüter kommen ins Fernsehen! Für die Recherchen zu einer der nächsten „Fahr mal hin“ – Sendungen des Südwestrundfunks (SWR) über die Terrassenmosel, hat die Redakteurin Fatma Aykut (ein wuseliges Energiepaket) Magdalena bei einer geführten Wanderung als Naturerlebnisbegleiterin mit  Kamera und Mikrofon begleitet. Mit dem Filmteam ging es durch die Weinberge und Felslandschaften des Traumpfades. Fatma war echt beeindruckt von der Artenvielfalt unserer Region, obwohl Mitte September das meiste ja blühmäßig schon „gelaufen“ ist. Das bestellte traumhafte „Goldener-Herbst-Wetter“ gab aber eine prima Kulisse ab und wir sind gespannt, was die TV – Profis aus dem Drehmaterial zaubern. Den Abschluß des Drehs bildete ein Interview, in dem die Traubenhüter, ganz romantisch, zu Füßen der Reben an der Wetterstation Rede und Antwort standen.

Und bei einem der ersten Lesetage zwei Wochen später haben die drei SWR – Leute auch noch ein paar Stimmungsbilder (bei perfekt getimtem Supersonnenschein) eingefangen.

Zwischendurch gab es tatsächlich Sonnenschein!

In der Sendung sollen einmal (auch) ganz andere Seiten der Terrassenmosel gezeigt werden, nicht nur der Wein. Wir dürfen alle gespannt sein. Der Sendetermin steht noch nicht fest, wird aber per Blog rechtzeitig bekannt gegeben.

Auch das Drehteam macht die Kaffeepause mit
und versucht sich den Klettenkerbel von der Kleidung zu wischen

 

Umgekehrtes Verhältnis – „Die Leute vom Film“, vor der Kamera!
…und was für ein Zufall, am gleichen Tag fliegt auch noch ein Zeppelin vom SWR über uns hinweg

 

 

 

 

 

 

 

Traubenlese – die Krönung des Winzerjahres

An der langen Blog – Pause lässt sich erkennen, dass es bei den Traubenhütern die letzten vier Wochen ordentlich „zur Sache“ ging.

Beherrschendes Thema natürlich: die Traubenlese. So ganz optimal ist die Saison ja nicht verlaufen – Trockenheit, Hagel, Sonnenbrand – ein wahrhaftiges Wetter-Horror-Trio und doch hat´s der Riesling wieder hingekriegt. Zwischenzeitlich befürchteten wir bei verschiedenen Regenereignissen und noch deutlich zu hohen Temperaturen einen – sagen wir – „suboptimalen“ Verlauf, aber es ging gut aus. In den ersten Oktobertagen haben die Traubenhüter eine überschaubare Menge, aber tolle Rieslinge geerntet. Dabei hat sich unsere Strategie, in allen Weinbergen eine Vorauslese der schon überreifen Trauben durchzuführen, wirklich ausgezahlt. Die noch weitestgehend gesund verbliebenen Früchte kamen in den Genuss weiterer 10 Reifetage  –  und das schmeckt man!

Der Verlauf des Herbstes glich einer Achterbahn. Teilweise haben wir Lesetage auf Grund des wechselhaften Wetters innerhalb von Stunden an- und wieder abgesetzt. Das geht nur, wenn ein megaflexibles Leserteam zu jeder Tages- und Nachtzeit in Bewegung gesetzt werden kann. Ein tief empfundener Dank also an Johanna, Franziska, Ernst, Anna, Cosima, Laura, Stephan, Otis und Harald (fast alle „Novizen“) und die vielen „Routiniers“ – fühlt euch alle angesprochen, die mir auf Grund meines biblischen Alters nicht mehr vollzählig einfallen wollen!

Unser erster offizieller Ökowein ist nun im Werden. Gemächlich glucksen die jungen Weine vor sich hin und verheißen ungetrübten Genuß im Frühsommer 2020. Ein Grund zur (Vor-)freude!.

 

 

 

 

 

Kleine Sensation in Hatzenport!

Am heutigen spätsommerlichen Septembersonntag hat unser Holz-, Taxi- und Mountainbikespezialist Harald eine echt „fette“ Sensation mit dem Handy dokumentieren können. Dass der Klimawandel eine Tatsache ist, kann nicht nur anhand der Temperaturkurve nachgewiesen werden, sondern auch durch die Einwanderung von Tieren und Pflanzen, die eher mediterrane Lebensbedingungen benötigen.

Auf dem Kreuzlayplateau, nicht weit von der „Kirscht“ hat Harald tatsächlich eine Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) fotografiert und uns zur Veröffentlichung im Blog zur Verfügung gestellt. Wir sind begeistert!

Die Gottesanbeterin in Jagdstellung

Gottesanbeterinnen sind in den letzten Jahren vermehrt auch in Rheinland-Pfalz nachgewiesen worden. Trotzdem ist es doch immer wieder eine Meldung mit Sensationscharakter. Die imposante Schrecke bevorzugt auf jeden Fall ausgesprochene Wärmeinseln (von daher war ein Nachweis in Hatzenport ja überfällig) und nach Süden ausgerichtete niedrige Buschlandschaften, Halbtrockenrasen und Ruderalflächen. Die in der Westhälfte Deutschlands beobachteten Gottesanbeterinnen stammen wahrscheinlich ursprünglich aus Frankreich.

Das Jagdverhalten der Fangschrecken ist faszinierend: sie können stundenlang (!) reglos verharren, um dann wahrhaft blitzschnell (zwischen 0,1 und 0,2 Sekunden) mit den dornenbewehrten Fangarmen zuzuschlagen. Die größeren Weibchen haben lediglich die lästige Angewohnheit, die kleineren Männchen nach erfolgter Paarung (und manchmal schon währenddessen) zu verspeisen. Nicht schön!

Die Traubenhüter haben jetzt natürlich den Ehrgeiz, selber auch mal fündig zu werden. Wir bleiben dran, verneigen uns aber vor dem „Erstfinder“ Harald!

Und jetzt – das Wetter Es geht auf den Herbst zu

Die Karthäuser-Nelke lebt auf warmem, trockenen und kalkhaltigen Boden

In den Weinbergen hat der Reifebeginn beim Riesling eingesetzt. Das „Weichwerden der Beeren“ markiert den Zeitpunkt, wo die Trauben Säure ab- und Zucker aufbauen. Assimilate werden eingelagert und aus dem Boden, dem jetzt leidlich genügend Wasser zur Verfügung steht, werden Mineralien wie Kalium, Calzium und Magnesium in die Traube „gespült“. Richtig schön sehen sie derzeit nicht aus: gebeutelt durch Hagel, Sonnenbrand und Trockenheit ist das allerdings auch kein Wunder. Und trotzdem glaube ich, dass bei einem einigermaßen günstigen Witterungsverlauf (ideal wären kühle Nächte unter 10°C und mäßig-warme Tage bis 25°C und nur noch sporadischer oder gar kein Regen) noch alles sehr gut werden kann. Der September ist für die Qualität des neuen Jahrgangs der alles entscheidende Monat.  Es ist alles drin!

Frühmorgens weht jetzt schon ein Hauch von Herbstluft durch´s Moseltal. Ein bißchen Nebel, der Geruch nach Erde und reifen Kräutern in den Rebzeilen. Kühle Temperaturen und ab und an etwas Regen erinnern tatsächlich ein wenig an trübe Traubenlesetage. Auch auf den Höhen Herbststimmung. Wieder ergrünende Stoppelfelder und ein paar Äpfelchen an den (zu) wenigen Bäumen in der Flur. Auch beim Streifzug durch die Felslandschaften ist, auch auf Grund der großen Trockenheit im Juni, Juli, nicht gerade üppiges Grün vorzufinden. Aber mit offenem Auge und offener Fotolinse entdeckt man im Kleinen noch soviel Faszinierendes. Ein kleiner Streifzug durch Magdalenas Fotosafari am 17. August 2019:

Der Aufrechtstehende Ziest ist mit seinen 2 m langen Wurzeln und runzeligen Blättern an den trockenen Kirchberg angepasst
Die Große- oder Purpur-Fetthenne überlebt durch ihre wasserspeichernden Blätter und Wurzeln
Das Gewöhnliche Sonnenröschen – öffnet seine Blüten nur bei Sonnenschein
Die Moschus-Malve duftet ganz schwach nach Moschus
Beim Schmalblättrigen Hohlzahn  dienen die beiden „hohlen“, kegelförmigen „Zähne“ auf der Unterlippe als Leitplanken für Insekten
Beim Natternkopf ragen die Staubblätter und der gespaltene Griffel aus der Blüte

 

Und zum Schluß etwas Tierisches – Streifenwanzen bei ihrer Mahlzeit auf der Wilden Möhre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da ward kein leeres Stroh gedroschen!

Im Schildkröten-Gang übers Feld tuckern….

Die Kollegen aus der Landwirtschaft haben ihre Ernte ja schon weitgehend hinter sich  –  jedenfalls was das Getreide angeht. Die Traubenhüter sind bekanntermaßen große Fans von Stroh als Abdeckung im Unterzeilenbereich und haben daher jedes Jahr schier unersättlichen Bedarf. Dieses Mal haben wir mal den Versuch gemacht, bei Christoph Brachtendorf Stroh direkt vom Feld zu beziehen. In einer konzertierten Familienaktion haben Magdalena, Simon und Thomas 500 kleine Ballen, umweltverträglich mit Hanfschnüren verzurrt, an den Wetterstationswingert gekarrt (wären sie nur schon verteilt…).

…während Simon die Ballen aufsammelt
und Thomas den Hänger belädt.

Sieht man sich in der Winzerszene etwas um, dann fällt auf, dass nur sehr wenige Kollegen mit Stroh arbeiten. Vor dreißig, vierzig Jahren eine undenkbare Situation! Stroh und Rindermist waren unersetzlicher Teil der Kreislaufwirtschaft. Sozusagen Ökologie pur. Ich will da kein Bullerbü – Bild von Landwirtschaft heraufbeschwören, aber in Sachen ressourcenschonendem Umgang mit der Umwelt hat es bis zum beginnenden ausufernden Einsatz von Mineraldünger und chemischem Pflanzenschutz bei weitem besser ausgesehen. Und heutzutage ist es tatsächlich in einigen Regionen schier unmöglich, an Stroh (und dann auch noch in kleinen, gut zu händelnden Ballen) zu kommen. Irgendwie keine gute Entwicklung.

Die erste Fuhre wird an Ort und Stelle entladen.

Wir Traubenhüter sehen jedenfalls Stroh als die ideale Ergänzung unserer bodenschonenden, im wahrsten Sinne ökologischen Bodenbewirtschaftung an.

Die achte und letzte Ladung ist auf den Weg gebracht.
Ein Blick zurück….
Das Feld ist geräumt!

Wir „schwärmen“ für…..

….Schmetterlinge! Das haben wir in den Blogbeiträgen der letzten drei Jahre ja mehr als deutlich durchblicken lassen. Umso schöner, wenn wir dann durch wirklich einzigartige Schönheiten der Schmetterlingswelt in unserer Philosophie der mühseligen Handarbeit belohnt werden. Und diesmal ist es mal nicht ein farbenprächtiger Flattermann, der uns vor die Linse gekommen ist, sondern eine eher zufällig entdeckte, fette Raupe, die Thomas in gebückter Haltung beim „Kraut robbe“ fast ins Gesicht gesprungen wäre. Ein gut 10 cm langes, grünes, mittelfingerdickes „Räupchen“ eines Windenschwärmers. Regungslos am Rebstamm klebend, ist das Tier doch eine imposante Erscheinung.

Der gefährlich aussehende Sporn am Hinterleib ist selbstverständlich nur „Show“. Und eine gewisse abschreckende Wirkung kann man da nicht absprechen. Der Falter ist ein Einwanderer aus südlichen Gefilden. In kleinen Trupps von bis zu zehn Individuen geht es im Frühjahr über die Alpen. Dabei kann der Windenschwärmer kurzzeitig Geschwindigkeiten bis 100 km/h erreichen!! Bis Südskandinavien ist er in manchen Jahren schon vorangekommen. So wie es aussieht, wird sich die Raupe zwar bei uns im Wingert verpuppen, aber auf Grund der überaus großen Temperaturempfindlichkeit den Winter wahrscheinlich leider nicht überleben.

 

Die zweite Überraschung: 

das zweite Vogelnest in dieser Woche in den Blättern des Weinbergs im „Bann“. Das erste am Samstag letzter Woche, schon etwas ramponiert und mit zwei kleinen Eiern „garniert“, offensichtlich nicht in Bebrütung und auch kein Fotoapparat zur Hand. Freitag abend dann vier Stieglitz(?)eier im wohlgeformten Nest, sahen ein bißchen verwaist aus, aber Samstag morgen dann die freudige Überraschung!! Magdalena sah Mama Stieglitz vom Nest auffliegen und durfte ungestört den frisch geschlüpften Nachwuchs fotografieren.

Riesige Glupschaugen, ziemlich nackt und schutzbedürftig. Sooo klein haben wir Nestlinge auch noch nicht beobachten können. Wir freuen uns jedenfalls „wie Bolle“, dass wir wieder, wie in den letzten Jahren, mit unserer handgeführten Gipfelerei Gastgeber für Stieglitzens sein dürfen.

Futter müsste es dank der bisher ungehemmten Vegetation en masse für die Körnerliebhaber geben. Stieglitze gehören zu den wenigen Vogelarten, die auch ihre Jungen mit Pflanzensamen aufpäppeln. Höchstens hier und da mal ein Blattläuschen, ansonsten vegetarisch.

Rotschwänzchens Refugium

Unter den wachsamen Augen von Mutti !

Im Frühjahr hatte uns Kollege Hörsch von der Raumordnungsabteilung der Landwirtschaftskammer ein „künstliches“ Schwalbennest geschenkt. Im Rahmen einer Aktion will man damit Rauch- und Mehlschwalben einen Nistanreiz bieten. Leider war Thomas mit dem Aufhängen eine Woche zu spät dran – die Schwalben (es könnten im Dorf mehr sein) hatten ihre Quartiere alle schon bezogen. So hing denn die Gipshalbschale schonmal am Häuschen hinten im Garten. Vor einigen Wochen kam dann „Leben in die Bude“. Besonders sorgfältig war die Nestgestaltung jetzt nicht, aber die neuen „Hausherren“, ein Rotschwänzchenpaar, hatten offensichtlich Großes vor. Und jetzt war es soweit  –   Eine Handvoll  Jungpiepmätze drängten sich im Nest und veranstalteten ein Mordstheater, damit die „Alten“ Futter ranschaffen. Dass wir dieses Jahr den Garten „verwildern“ lassen, hatte ich ja schon im vorletzten Blog beschrieben. Schöner Nebeneffekt  –  an Insektennahrung für „Rotschwänzchens“ mangelte es nicht. Wir befürchten, dass gewiss auch die ein oder andere „schöne“ Schmetterlingsraupe dabei war, aber so ist halt Natur.

Federknäuel

Vor einigen Tagen war dann der große Auszug angesagt. 4 Jungvögel stürzten sich todesmutig im Vertrauen auf ihre Schwingen in die Tiefe. Alles gut gegangen. Wir hoffen auf ein „Nistcomeback“ im nächsten Jahr!

Und jetzt – das Wetter Die Reben lechz(t)en nach Wasser

Was derzeit wettermäßig draußen „abgeht“, lässt uns Traubenhüter erstmal sprach- und auch ratlos zurück. Besonders die Junibilanz konnten wir nur mit einem ungläubigen Kopfschütteln registrieren:  der wärmste Juni seit Menschen Wetterdaten messen (und das weltweit!)  – in Hatzenport sage und schreibe nur 20l Regen/m²  –  und das nach dem gewaltigen Defizit von 2018 und dem bereits in diesem Jahr schon aufgelaufenen Niederschlags“loch“ von gut und gern 150l/m² !! Das ist Klimawandel live und wir können sagen, wir sind dabei gewesen. Zum Staunen und Gruseln!

Erste Einwände gegen diese meine Klimawandelfeststellung habe ich auch schon geliefert bekommen  –  „Heiße Sommer hat es früher auch schon gegeben“  –  Das ist richtig, aber nehmen wir mal das berühmte 1976. Dieses wahrhaft wüstenhafte Jahr war aber mit Abstand das einzige Hitzejahr zwischen 1972 und 1990 – also in 18 Jahren! Was wir aber seit mindestens 2003 am laufenden Band serviert kriegen, sind jährliche Hitzerekorde. Leute – das ist nicht mehr normal!

Nun ist die Rebe ja eine erstaunliche Pflanze und zumal der Riesling. Wir setzen viel Vertrauen in ihn, können bei der Weinbergsarbeit aber mit ihm mitfühlen. In einigen Ecken mag unser „wildes Begrünungsexperiment“ das Rebenwachstum stark eingebremst haben, aber im Großen und Ganzen fehlt einfach überall Wasser! Meinen Plan, die natürliche Begrünung Anfang Juli „nach der Samenreife“ zu mähen, kann ich getrost nach hinten schieben. Wie versengt bedeckt das „Stroh“ von Trespe, Klettenlabkraut, Kerbel und Co. die Weinbergsböden. Ich könnte mir gar vorstellen, dass diese „Beschattung“ u.U. noch was Gutes hat.

Gefühlsmäßig haben wir übrigens schon Mitte/Ende August, so ausgedörrt und flirrend präsentieren sich das Moseltal und die Maifeldhöhen. Und noch immer kein Regen in Sicht!

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Obige Zeilen habe ich am 8. Juli verfasst. Am 12. Juli hat das Wetter dann aber richtig zugeschlagen: Regen hatten wir uns ja gewünscht – 80 l/m² sind auch echt nicht schlecht  –  aber doch nicht in 2 Stunden!!! Und dann noch der Dejà vu mit Hagel: zwar nicht so katastrophal, wie vor drei Jahren, aber für Schäden an Blättern, Trauben und Trieben (in noch ungewisser Höhe) hat´s gereicht.

Sven Plöger von „meteomedia“ war es eine Meldung im SWR Fernsehen wert, aber auf diese „Werbung“ hätten wir gerne verzichtet. Dieses weitere Extremwetterereignis macht uns Sorgen. Die Abstände werden immer kürzer, die Intensität immer heftiger. Was wohl noch kommen mag? Und ob wir das jetzt schon wirklich wissen wollen?

Wilder Garten

Prächtiges Leinkraut

Das Insektensterben ist zur Zeit Thema in allen Medien.

Die Generation der „Baby-Boomer“, zu denen wir Traubenhüter uns ja zählen dürfen, kennt noch die berühmten beschmierten Windschutzscheiben – mit Mücken- und Mottenleichen „gepflastert“. Unser alter R4 mit der Revolverschaltung und einer senkrechten Frontscheibe betätigte sich in lauen Sommernächten als wahrer Fliegenfänger. Uns wurde erst in den letzten Jahren bewusst, dass wir das lange nicht mehr erlebt haben. Und nun ist es quasi „amtlich“: bis zu 80% Biomasseverlust wird bei den Insekten mittlerweile diagnostiziert! Dramatisch!

Was ist also zu tun? In diesem Jahr haben wir der Natur nicht nur die Weinberge in puncto natürlicher Begrünung überlassen, sondern auch unsere, früher gern „ordentlich“ kurz gehaltenen Wiesenflächen rund um`s Haus. Es ist erstaunlich! Wenn man einfach nur mal die Füsse ruhig hält und der Vielfalt beim Wachsen zusieht. Im wöchentlichen Rhytmus blüht in irgendeiner Ecke etwas, zaubert Farbtupfer ins Dickicht, verblüht und bildet Samen. Die ausgeprägte Trockenheit tut ihr Übriges dazu, dass schon zu einem so frühen Zeitpunkt erste Welkeerscheinungen auftreten. Aber auch das hat seinen Reiz! Und erst der Insektenbesatz! Es summt, brummt, fliegt, schwirrt, rasselt, kratzt, krabbelt und kriecht – Artenvielfalt!

Sonntag morgen haben wir einige Impressionen für euch eingefangen. Zur Nachahmung empfohlen. Traut euch!

Zarte Ackerwindenblüte, umgeben von Scharfem Mauerpfeffer und Hopfenklee
Schaf-Garbe
Wollköpfige Kratzdistel- Stachelige Schönheit
Schwarze Königskerze
Raupe des Jakobskrautbärs – Achtung giftig!
Passend zum 24. Juni (Johannestag) das echte Johanneskraut
Majestätisches Purpur – Stockrose
In gräserner Gesellschaft – die startbereiten „Fallschirmsamen“ des Wiesenbocksbarts
Stickstoffsammler Futterklee
Filligranes Blütengebilde – der Feinstrahl
Kräuterdickicht und Insektenparadies