Ein Photo – eine Geschichte

Augenblick plus 100 Jahre

Im Jahr 1920 entschloß sich der langjährige Dorfschullehrer Nikolaus Gerlach, im noch weitgehend unbebauten „Acker“ seinen Altersruhesitz zu errichten. In diesem Jahr, dem Auftakt zu einer turbulenten Dekade nicht nur der deutschen, nein sogar der Weltgeschichte, feierte der Erweiterungsbau der St. Rochuskirche und das neuerbaute Pfarrhaus sein 10-jähriges Jubiläum. Pfarrherr und Bewirtschafter des Pfarrgutes nebst Keller war Pastor Friedrich Wilhelm Joseph Brem (Pfarrer von 1909 – 1936). Über die Organisation der Weinbergsbewirtschaftung und des Weinausbaus ist wenig bekannt, die Pastöre dürften aber auf eine gewisse Stammhelferschaft an Gemeindemitgliedern zurück gegriffen haben. Sowohl Lehrer Gerlach, wie auch Pastor Brem hatten natürlich keine Ahnung, dass sie beide knapp hundert Jahre später ihre imposanten Bauten den Traubenhütern zur Nutzung überlassen würden. Eine herbstliche Aufnahme mit Traubenlesehelfern am Pfarrhauskeller 1932 haben wir auf unserer homepage unter „Der Weg der Traube“  –  „Unser Keller“ verewigt.

Am 2. März erreicht uns über Umwege eine mail von Frau Seyfarth aus Limburg. Angefügt ein altes Foto. Obwohl (in der ersten Version) seitenverkehrt entwickelt, ist es den Traubenhütern ein vertrauter Anblick – die Toröffnung des Pfarrhauskellers! Davor platziert eine bunte Truppe von Lesehelferinnen und Lesehelfern und Pastor Brem an ihrer Seite! Auch der Text auf der Rückseite ist beigefügt: „Traubenlese=Fest in Hatzenport a.d. Mosel bei Pastor Brem. Anfang Oktober 1920.“

Das sind solche Momente, wo man innerlich einen „Hauch von Geschichte“ verspürt, eine ganz eigene, fast wehmütige Stimmung um sich greift und man sich über die vielen Jahrzehnte mit den damaligen Zeitgenossen verbunden fühlt.

Frau Seyfarth fand das Foto im Nachlass ihrer Mutter, die auf dem Bild als junges Mädchen ganz vorne an den Trauben aus dem Weidenkorb nascht. Natürlich lebt heute niemand mehr, der uns Auskunft geben könnte, wer denn da dem „Herrn Pastor“ bei der Traubenlese geholfen hat. Senior Felix mit seinen 90 Jahren hatte lediglich ein paar Vermutungen hinsichtlich der Gesichtszüge einzelner Personen und deren Ähnlichkeit zu Gesichtern seiner Kindheit. Aber mit Sicherheit lässt sich niemand, von den Lesehelfern, außer Pastor Brem,  in einer Familie von Hatzenport „verorten“.

Ein bißchen stolz sind wir allerdings schon, dass wir die Tradition fortführen und bestes Lesegut „wie vor hundert Jahren“ ausbauen dürfen.

Danke schön an Frau Seyfarth, dass sie uns das Bild zur Verfügung gestellt hat.

Frühlingsintermezzi

Einige sehr schöne Frühlingstage liegen hinter uns. Den Rebschnitt haben wir Ende März abhaken können und auch die Binde- und Biegearbeiten sind schon weit fortgeschritten, sodass wir unter Umständen zwei Wochen „vor dem langjährigen Mittel“ eine Verschnaufpause nehmen können. Dann geht´s weiter mit filtrieren, Veranstaltungsplanungen, Wanderungskonzeptionierung und und und…. Immer was zu tun!

Umso schöner, so ganz nebenbei der Natur beim Erwachen zuzusehen!

Auffällig viele Schmetterlinge sind bereits unterwegs. Vom Zitronenfalterüber Mauerfuchs, Kleiner Fuchs bis hin zum hier abgelichteten Tagpfauenauge haben wir schon alles gesichtet. Fast schon surreal – ein Taubenschwänzchen am 21.3. auf dem Dolling!

Wunderschöne Farbtupfer sind auch die winzigen Blüten des Ehrenpreis. Man muss aber schon richtig nahe ran gehen, um dieses Blühwunder in seiner ganzen Filigranität wahrzunehmen.

 

Der „Klassiker in Blau“ ist natürlich immer noch die Traubenhyazinthe.

In unserer „Böschung“ breiten sie sich erfreulicherweise seit Jahren immer weiter aus. In diesem Jahr malerisch umrahmt von Strohballen.

 

Am Insektenhotel im Naafgraben an der Kelter ist die Hölle los. Ausgebucht sozusagen! Heerscharen von Mauerbienen balgen sich um die besten Röhren.

 

„Kuschelkurs“ dagegen bei den Mauereidechsen.

Das erste Exemplar schmiegte sich geradezu an den vorgewärmten Mauerstein wie an ein Schmusekissen. Und die beiden „Turteleidechsen“ hatten nur das Eine im Sinn. Viel Glück!

 

Auf dem Waldbegang des Waldausschusses konnten wir im „Kaveloch“ nicht nur ersten Froschlaich dokumentieren,

 

auch eine Goldammer beäugte aus sicherer Distanz die Szenerie. Schwierig auf Platte zu bannen!

 

Ein weiterer Frühlingsgast, der uns jedes Jahr mit zwei, drei Nestern hinter´m Haus beglückt, ist das Rotschwänzchen. So als wollte es uns sagen „da bin ich wieder“ präsentierte sich das Männchen Sonntag morgen auf unserer Terrasse.

 

 

 

 

„Die Musel zaicht die Zänn!“

Wettertechnisch ist derzeit nach dem warmen Februar (über 20°C an den letzten Tagen des Monats!) eher Aprilwetter angesagt. Alles zeitlich ein bißchen ver-rückt eben. So hat denn schon am Rosenmontag ein ordentliches Lüftchen geweht, was aber heute durch Sturmtief „Eberhard“ noch getoppt wurde. Wenn der Wind ungehindert durch das enge Moseltal pfeifen kann, wird der sonst so gemächlich dahin treibende Fluss zum Whirlpool.

Aus der Fassung gebracht!

Die Alten haben dafür den Ausdruck „Die Musel zaicht die Zänn“  –  „Die Mosel zeigt die Zähne“ geprägt. Damit ist das Schauspiel treffend beschrieben. An den Bojen zerstäuben die „Brecher“ in einer schäumenden Gicht und die Windböen sind als Wellenspiele auf dem Wasser schön zu beobachten. Die Wellen schmücken sich mit weißen Schaumkronen und entfernt erinnert das an ein Gebiss  –  wenn auch ein löchriges. Wenn ich mich recht erinnere, steht ein  Wetterwechsel bevor, wenn „die Musel die Zänn zaicht“. So ist für die nächsten Tage mit kühlen Temperaturen und sogar ein bißchen Schnee zu rechnen. Wer die Traubenhüter kennt, weiß –  denen wäre das gar nicht so unrecht. Muss ja nicht jedes Jahr einen frühen Austrieb geben.

Kräftige Böen mit Sonnenschein

Mit dem ersten nicht eilen…

…mit dem zweiten nicht weilen! Diese, für Laien etwas rätselhafte Anleitung, stammt von der legendären Geisenheimer Hochschulkoryphäe und Verfasser des Standardwerks „Technologie des Weines“, Professor Gerhard Troost (im übrigen ein Moselaner!) und bezieht sich auf den sogenannten „Abstich“. Das klingt erstmal blutrünstig, bedeutet aber lediglich die Trennung des jungen Weines von seiner Mutter, der Hefe, die sich nach getaner Arbeit am Fassboden zur Ruhe gelegt hat. Die Traubenhüter haben diese Maxime beim `18er berücksichtigt und in den letzten Wochen abgestochen.

Sie hat ihre Arbeit getan. Blick durchs Mannloch auf kerngesunde Hefe

Zu meinem Leidwesen geistert ja noch immer die Legende der „Weinmacher“ durch die vermeintliche Fachliteratur. Ein schreckliches Wort, das im übrigen nicht stimmt. Wenn man einen „Macher des Weines“ (es ist und bleibt ein schrecklicher Ausdruck!) denn unbedingt benennen will, dann müsste die Weinhefe Saccaromyces cervisiae damit geehrt werden. Sie ist es, die in einem wahrhaft mystischen Prozess aus einem süssen Saft ein völlig anderes Produkt erschafft, das soviel Raum für Philosophie und Genuss und Kultur lässt, dass es zu Recht die Menschheit seit Jahrtausenden begleitet – den Wein!

Moment – wird jetzt der geneigte „Asterix“ – Leser stutzen – cervisia? Das ist doch Bier! Exakt! Hefe, ob sie denn jetzt im Most/Wein, im Bier oder als Backhefe tätig ist, ist im Grunde immer der gleiche Hefestamm, eben die Saccharomyces („Zuckerpilz“), wobei sich im Laufe der Jahrhunderte einzelne „Spezialisten“ herausevolutioniert haben. Außerdem ist die Hefe relativ einfach zu vermehren und zu züchten. Im Weinbereich kann man daher mittlerweile aus bis zu 400 verschiedenen Hefen auswählen, die alle einzeln beschrieben sind und ganz bestimmte Eigenschaften aufweisen.

Letzte Erinnerung an die Gärung!

Die Traubenhüter sind da aber, wie zu erwarten, konservativ. Hefen, besser ihre Sporen, sind praktisch in der Umgebung überall präsent, sowohl im Weinberg, wie aber auch im Weinkeller. Auf diese natürlich vorhandenen Helfer setzen wir. Ich will nicht so weit gehen, dass jeder Winzer sozusagen über seine eigene Hefe verfügt. Unbestritten ist aber, dass diese „wilden“ Hefen ganz individuelle Eigenschaften besitzen und den Weinen einen einzigartigen Charakter verleihen. In diesem Sinne sind „spontan vergorene“ Weine höchst authentisch. Die Ausprägung dieser Authentizität variiert dabei von Jahrgang zu Jahrgang, ja, auch von Weinberg zu Weinberg, von Winzer zu Winzer. Und da haben wir sie wieder  –  die „Artenvielfalt“. Und das ist das Schöne:  in jedem Jahr zu probieren, wie die „Hefemütter“ ihre Kinder, die Weine, „erzogen“ haben.

Der nüchterne Abstichvorgang ist an sich nichts Weltbewegendes, aber die wahrhaft sinnliche Erfahrung des Kellerwirts ist bemerkenswert. Ein gesunder Hefesatz ist ockerfarben, von sämiger bis fester Konsistenz und mit einem Duft, der, tja – unbeschreiblich ist:  hefig, weinig, fruchtig – alles gleichzeitig, sinnlich eben.

 

 

 

St. Matheis bringt Eis…..

…oder bricht Eis. Und letzteres hatten wir dann heute ziemlich vehement. Ein bißchen Eis zum Brechen gab´s in den frühen Morgenstunden bei -3,5°. Aber dann  –  ab ging die Post bis +15°! (Soll noch nicht Ende der Fahnenstange sein, sagen die Wetterfrösche). Hatten die Traubenhüter gestern noch das Vergnügen beim Rebschnitt, war heute Flanieren rund um die Kreuzlay angesagt. St. Matheis hielt dann einige (Frühlings-)überraschungen bereit: zum einen beobachteten wir ein Wanderfalkenpärchen, das sich offensichtlich zum Bleiben in den Felsen entschieden hat. Wenngleich sich die Bestände dieser Jagdspezialisten seit der fast völligen Ausrottung durch die Ausbringung des Giftes DDT in der Landwirtschaft in den 60er Jahren, wieder gut erholt haben, ist die Freude doch immer wieder groß, wenn man Brutpaare dokumentieren kann.

Gleich in der Nachbarschaft zog der erste Rotmilan des Jahres seine majestätischen Kreise. Ein Riesenexemplar – geradezu atemberaubend. In Hatzenport ist der Rotmilan nicht mal so ungewöhnlich, ihn aber zum ersten Mal im Jahr bei seinen Sondierungsflügen zu beobachten, erzeugt einfach nur Freude. Ein weiterer Frühlingsvogel zog von Südwest nach Nordost gleich 40-fach über die Kreuzlayruhebank hinweg – ein kleiner Kranichschwarm strebte nach vier bis fünf Orientierungs- und Aufwindrunden Richtung Sommerquartier in Skandinavien.

Einen echten (Achtung – gewaltiges Wortspiel!)   „Zipp(H)ammer“  konnten wir vom „Küppchen“ aus auf Fotoplatte bannen:  die erste Zippammer des Jahres 2019!!! Sie ist auf der Liste der bedrohten Tierarten als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft und daher freuen wir uns ganz besonders, dass Jahr für Jahr mehrere Paare bei uns in Hatzenport „ihre Zelte aufschlagen“.

Der nächste Profiteur des Vorfrühlings im Spätwinter zeigte sich in den Felsen oberhalb des Traumpfads: Lerchensporn. Ohnehin ein Frühblüher, ist sein Auftreten am 24. Februar jedoch bemerkenswert früh.

Und zum guten Schluß ließ sich eine noch junge Mauereidechse beim spätnachmittäglichen Sonnenbad zu einer Fotosession herab.

Es ist also schon einiges zugange draußen in der Natur. Darf ich noch ein bißchen unken? Hoffentlich überrascht uns nicht der „Märzwinter“, wie im letzten Jahr oder 2013 – dann ist nämlich auch ganz schnell „Schluß mit lustig“. Viel mehr Sorge habe ich jedoch beim Blick auf die anhaltende Trockenheit! Seit dem 1.1.18 bis heute verzeichnen wir in Hatzenport steppenmäßige 465 l/m² Niederschlag! Bestimmt gut für Federgras, Goldaster, Hauswurz und Co., aber Reben brauchen Wasser. Vielleicht bin ich aber auch nur ein notorischer Schwarzseher….

Und jetzt – das Wetter „Die Sache mit dem Omega“

In den letzten Tagen ist in den Wetternachrichten des öfteren von der sogenannten „Omega-Wetterlage“ die Rede. Damit gemeint ist ein kräftiges Hochdruckgebiet, das sich über Mitteleuropa gebildet hat und damit von Westen heran rauschende Tiefdruckgebiete auf eine nördliche Zugbahn um den Hochdruckblock zwingt. Der Verlauf dieser Zugbahn ähnelt auf den Wetterkarten dem griechischen Buchstaben Omega   Ω

„Omega“ lässt Bienen Honig sammeln! Die erste Biene des Jahres 2019 auf einem Winterling in unserem Vorgarten

Die Folge dieser Konstellation: da sich das Hoch im Uhrzeigersinn dreht, „schaufelt“ es sehr warme Luftmassen aus Südwesten zu uns. Andererseits befinden wir uns Mitte Februar immer noch im (Spät-)winter! In den klaren Nächten kühlt es recht kräftig ab und es wird teilweise richtig „schattig“ (bis -4°C). Die Feuchtigkeit der Südwestluft ergibt dann frühmorgens manchmal dicken und zähen Nebel. Die sogenannte „Inversion“ (warme Luft über bodennaher, weil schwererer Kaltluft) bringt dann in der Höhe auch nachts fette Plusgrade, während die sich in den Flusstälern erst nach Nebelauflösung bei strahlend blauem Himmel am Nachmittag einstellen.

Bestes Rebschnitt-Wetter! Im T-Shirt am 16. Februar

Beim Rebschnitt genießen die Traubenhüter natürlich diesen Vorfrühling. Am 16.2. wackelte sogar der erste große Tagfalter an der Wetterstation über uns hinweg (Ferndiagnose: Tagpfauenauge). Am selben Tag beobachteten wir zwei Kranichzüge Richtung Nordost (und das waren nicht die ersten in diesem Jahr!) und in Zeile 4 vom Weg aus, blühte doch tatsächlich schon Ehrenpreis!

Als Gesamtkontextbeobachter sieht Thomas das natürlich nicht ganz so positiv. Nicht nur, dass der Januar so garnicht „vor Kälte geknackt“ hat, wie wir uns das wünschen würden (obwohl – es ging noch), der Februar liegt nur deshalb, speziell bei uns in Hatzenport, bei den Durchschnittstemperaturen einigermaßen im Soll, weil wir diese bis 11 Uhr dauernden  Morgennebel haben, die uns bei der übermäßigen „Überhitzung“ einbremsen.

Bei aller Schönwettereuphorie gerät aber ein ganz wichtiges Detail vollkommen aus dem Sichtfeld – die anhaltende Trockenheit! Bei der Rundfrage unter den Moselaner Winzerkollegen war ich ganz erstaunt, dass z.B. in Leiwen im Dezember ´18 immerhin  125 l/m² gefallen sind. In Hatzenport gerade mal die Hälfte! Und die ersten beiden Monate 2019 weisen schon wieder ein dickes Niederschlagsdefizit aus (gut 40%). Durchdringende Winterfeuchte ist was anderes!

Bin ich eigentlich schon wieder am jammern?

Ein herrlicher Sonntag heute. Beim Spaziergang durch die Kreuzlay haben wir schon einiges „in den Startlöchern“ gesehen, aber Frühling ist noch nicht!

Saatmohn, Vogelwicke und Co. in Startposition!

Probieren geht über studieren

Nach diesem löblichen Motto bin ich schon im Studium vorgegangen – und es hat nicht geschadet!

Vielleicht hat sich ja auch Julia an ihre noch nicht sooo lange zurückliegende Studienzeit erinnert und die Idee der „Weinprobe rund um Burg Eltz“ initiiert. Tatsächlich haben sich innerhalb weniger Wochen elf Weingüter (4 aus Müden, 3 aus Moselkern, 3 aus Hatzenport und 1 aus Kattenes) zu einer echten Jungweinprobe zusammen getan und die Moselkerner Kirmes am Samstag Abend bereichert. Vom bereits gefüllten Rivaner bis zur edelsüssen, noch naturtrüben Auslese ging die Auswahl der 24 Weine.

Rund um Burg Eltz

In der nahezu voll besetzten Elztalhalle genossen die Weinfreunde diese in der Tat ungewöhnliche Probe, denn eine kreisübergreifende Zusammenarbeit hatte bisher noch keiner der Akteure auf der Agenda. In einer humorvollen und engagierten Moderation stellten die Winzer ihre Weine selbst vor und so gelang eine Weinleistungsschau der Superlative, die noch lange in Erinnerung bleibt (bis zur Fortsetzung im nächsten Jahr?). Selbstverständlich waren auch die Traubenhüter mit von der Partie und präsentierten, noch richtig jugendlich und kohlensäurebetont, einen trockenen und einen feinherben Qualitätswein und die Krönung unseres Weinjahres 2018, die edelsüsse Auslese.

Was auf jeden Fall über den, wie im Flug vergangenen, Abend bleibt, ist die gute und kollegiale Präsentation unserer regionalen Weine – in einer einzigartigen Landschaft erzeugt zur Freude aller Genießer!

 

Der (Blut-)mond ist aufgegangen

Live und in Farbe

Die Traubenhüter haben es wieder getan! In aller Herrgottsfrühe raus und bei „kuscheligen“  -10°C auf dem Kreuzlayberg den „Blutmond“, eine totale Mondfinsternis, beobachten. Dieses Phänomen zu bewundern hatten wir ja schon im letzten Juli das Vergnügen. Aber bei kalter, klarer Luft war es diesmal doch wesentlich eindrucksvoller.

Zwar befindet sich der Mond bei diesem Ereignis genau im Kernschatten der Erde, aber das Sonnenlicht wird seitlich an der Erdatmosphäre gebrochen und streut so rötliches Licht auf den Mond. Den martialischen Namen haben dann unsere Vorfahren geprägt.

Ein bisschen verschwommen, aber authentisch

Wenn man da so still auf der dunklen Feldflur steht, trotz des jungen Morgens Matthias Claudius`  „Abendlied“  im Sinn, die Eiseskälte einen wie mit frostigem Handschuh ins Gesicht packt, der Atem bei jedem Zug dicke Wolken formt und ein Sternenhimmel, relativ wenig von der Lichtverschmutzung beeinträchtigt, sich in seiner ganzen Unendlichkeit über einem wölbt  –  tja, da wird einem die eigene Rolle im Universum bewusst. Und man sieht  –  sie ist sehr, sehr klein, um nicht zu sagen unbedeutend.

Aber was rede ich – lege den Kopf in den Nacken, erkenne den mächtigen „GroßenWagen“ über mir und vorab, gegen Nordwesten, hängt die rote Scheibe des verfinsterten Vollmondes. Gänsehaut! Während Magdalena mit der Belichtungszeit der Kamera kämpft, denke ich daran, dass in diesem Jahr 50 Jahre „Mann im Mond“ gefeiert wird.

Und dann schießt noch lautlos eine Wahnsinns-Sternschnuppe von Nord nach Süd! Ich hab mir gleich den Weltfrieden gewünscht  –  aber was man sich wünscht, darf man ja nicht laut sagen  –  jetzt wisst ihr´s: Ich hab´s vermasselt!

Blutmondbedingungen gibt´s übrigens für uns erst wieder an Silvester 2028. Wir bereuen jedenfalls nicht, uns ein paar Stunden Schlaf für dieses Naturerlebnis „abgeknapst“ zu haben.

Vollmond

Abendlied

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold,
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt!

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost verlachen,
weil unsre Augen sie nicht sehen.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß und einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn ihr Brüder
in Gottes Namen nieder.
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

Matthias Claudius

Wenn der Bauer hinter´m Ofen pennt…..

….der Winzer in den Weinberg rennt  –  um hier mal wieder das passende Zitat meines Landwirtkollegen Matthias H. anzubringen (diesmal als Überschrift).

Wir befinden uns in der Zeit des Hochwinters, auch wenn mir das nicht ganz so überzeugend aus den Tasten kommt. Tiefsttemperatur bisher: -2,3°Celsius am 3. Januar um 2.00 Uhr    Ausbaufähig, wie ich finde, aber immerhin schon eine Ecke kälter als die Tiefsttemperatur des gesamten Januars 2018: -1,8°C am 15. Januar 1.00 Uhr. Die Wetter-Auguren raunen, dass es ab kommendem Wochenende tatsächlich richtig frostig kommen könnte, aber die erfahrenen Meteorologen wissen es  –  alles was über die Drei-Tages-Prognose hinausgeht, ist „Kaffeesatzleserei“ und man kann auch würfeln. Nichtsdestotrotz würde es mich freuen, mal wieder einen Glühwein auf dem zugefrorenen Bahnhofstümpel zu schlürfen. Na, wann hatten wir zuletzt das Vergnügen? Richtig, am 12. Februar 2012 bei -13°C! Nur wenige Tage vorher, am 7.2. haben wir die seit Bestehen der Agrarwetterstation (2005) niedrigste Temperatur gemessen: -17,3°C!

Also, falls die Esel mal wieder Gelegenheit haben, auf´s Eis gehen zu können – der passende Blog ist heute schon versprochen.

Früher, sehr viel früher, war es so kalt um diese Zeit, dass sogar der Winzer hinter´m Ofen  –   nicht pennte, aber Weiden spleißte. Im Keller wurde fleissig Jungwein probiert und wenn´s einigermaßen temperaturmoderat war, ging´s an den Rebschnitt. Im Grunde praktizieren wir Traubenhüter diesen klassischen „Winterdreikampf“ ja immer noch, lediglich das Weiden spleißen wird durch „Strohballen schleppen“ ersetzt.

Was aber über all die Jahrhunderte Weinbau an der Mosel gleich geblieben ist: beim Rebschnitt ist die beste Zeit zum Sinnieren, Philosophieren, zur Ruhe kommen. Der Schnitt geht quasi intuitiv von der Hand und die Gedanken sind frei.

… und die Gedanken sind frei…

Geschätzte 80% aller Winzer bezeichnen den Rebschnitt als ihre liebste Tätigkeit und das hat tatsächlich mit dieser Reduktion auf sich selbst zu tun. Wird der Drang zur Kommunikation dann doch mal groß, bleiben einem immer noch die hölzernen Zuhörer. Unvergessen die Worte von Senior Felix (auch so ein Rebschnittfanatiker) zu seinen Schützlingen, wenn er an einem Stock mit vier oder fünf „guten Trieben“ auf zwei reduzieren musste: „Dot ma leid, Hansi, owa dau mooss fott!“  (..und die Reben hießen alle „Hansi“!).

In der Natur ist zur Zeit wirklich einigermaßen Ruhe eingekehrt und das ist wichtig. Nach dem trockenstressigen Jahr ist „Urlaub“ das Gebot der Stunde für die gesamte Vegetation. Ausnahmen bestätigen die Regel: Nieswurz und Christrose bestätigen ihren Ruf als Frühblüher auch dieses Jahr.

Und bei uns hier an der Terrassenmosel fehlt nach nur fast wüstenhaften 420 l/m² Gesamtniederschlag (Durchschnitt der Sonneninsel Ibiza!) in 2018 echt noch eine Menge Wasser. Es muss ja nicht gleich Hochwasser sein.

Metamorphose

Der letzte Lesetag liegt nun auch schon wieder zweieinhalb Monate zurück. Was macht eigentlich der `18er?

Spiegel-Kabinett

Na, er kriegt fast täglich Besuch vom Traubenhüter! Ganz gemächlich und unspektakulär verlief bei fast allen Mosten die Gärung. Wie im letzten Jahr setzte sie spontan ein und mittels Überimpfung (das Verteilen von einigen Litern gärendem Most auf nachfolgende Partien) haben wir den neuen Jahrgang „auf Trab“ gebracht.  Mit Hilfe  der Kühlung gelang bei den dafür vorgesehenen Weinen aus dem Kirchberg ein problemloser Stopp. Jetzt liegen alle auf der Hefe und ruhen sich aus. Natürlich gibt es auch einen „Ausreißer“  –  na, wer wohl?  –  eins von zwei Fudern „Bischofstein“. Das lässt sich einfach nicht beirren und gärt unverdrossen, aber sehr langsam vor sich hin.

So eine alkoholische Gärung hat schon etwas Mysteriöses, Geheimnisvolles. Im überschaubaren Maßstab des Traubenhüter-Pfarrhauskellers ist das sicherlich noch unmittelbarer spürbar, als in einer großen, mit zig-tausend-Liter-Tanks gespickten Riesenhalle. Um diesen Mythos zu bewahren, greifen wir nur ganz behutsam in die Abläufe ein und nehmen das an, was letztlich den abfüllbereiten Wein ausmacht.

Aus diesem respektvollen Blickwinkel betrachtet erschließt sich dann auch die anfangs vielleicht irritierende Überschrift: Metamorphose heißt Verwandlung. Die bekannteste und überwältigenste Metamorphose ist die von der Raupe zum Schmetterling  –  wer würde bestreiten, dass die Verwandlung von der Traube über den Most zum Wein dem mindestens ebenbürtig ist?