Eine harte Nuss

Herbstzeit ist Nusszeit und die Königin der Nüsse ist die Walnuss.

 

Besonders die frisch geknackten, von der grünlich-gelben, zarten Haut befreiten, weißen Nussfrüchte sind ein wahrhaft himmlischer Genuss! Zusammen mit einem kühlen halbtrockenen oder feinherben Riesling gibt es kaum etwas, was das kulinarische Ausnahmeereignis toppen kann.

In Vor-Internet-Zeiten, als die Sonntagnachmittage für Teenager auf dem Dorf mitunter recht langweilig waren, war “Neess klobbe” (Nüsse klopfen) eine gern praktizierte  Beschäftigung.

 

 

 

 

 

Das Knacken war dem Typ angepasst. Kräftige Kerls drückten zwei Nüsse mit den Handballen gegeneinander, zarte Mädchen suchten sich einen etwas schwereren Stein, andere warfen die Nüsse gegen Mauer oder auf die Straße und wieder andere zielten mit ihrem Absatz auf die Nuss. Natürlich –  alle Knackarten mussten gefühlvoll durchgeführt werden, damit kein Nussbrei entstand.

Die Enttäuschung stand jedem ins Gesicht geschrieben, wenn eine taube Nuss geknackt wurde, also ohne Inhalt. Das “Piddeln” und Naschen der frischen Walnüsse war willkommene Untermalung mehr oder weniger tiefsinniger Gespräche.

 

War man etwas früh mit der Ernte dran und musste erst noch die grüne Schale entfernen, gab´s als Erinnerung recht dauerhaft erst gelbliche, dann braune  “Nussfinger”.

 

Das Herz ist die Spizte des Nusskerns

Magdalena erinnert sich daran, dass ihre Aufmerksamkeit dem besonders zarten “Herz” der Nussfrucht galt. Es verbirgt sich tatsächlich tief im Innern des weißen “Nussfleischs”, ist der eigentliche, wirklich winzige Same der Nuss und scheint noch zarter als der Rest zu sein.

 

Wer hat´s erkannt? Die Fotounterlage ist eine Tischplatte – aus Walnussholz!

Ziemlich frappierend ist die Ähnlichkeit des Walnusskerns mit einem Gehirn. Da passt ganz gut, dass die Walnuss auf Grund des hohen Anteils ungesättigter Fettsäuren tatsächlich beste “Gehirnnahrung” ist.

 

Um die Weihnachtszeit werden dann getrocknete Walnüsse en vogue. Es mag Einbildung sein, aber die mit brauner Haut überzogenen,  etwas geschrumpelten Walnusskerne scheinen noch eine Spur “nussiger” zu schmecken.

Für uns Moselaner sind Walnussbäume ganz normal. Durch das wärmere Klima im geschützten Moseltal herrschen optimale Bedingungen für viele mediterrane Pflanzenarten. In vielen Orten entlang des Flusses stehen mehr oder weniger lange Nussbaumalleen. Neidlos muss ich anerkennen, dass die absolut längste am Brauneberger Moselufer steht. Aber auch Hatzenport kann eine imposante Walnuss-Reihe vorweisen. In einer konzertierten Aktion haben viele Freiwillige die Allee von der Schillingstraße bis zum Fährturm im Jahr 2007 neu gepflanzt und heute präsentiert sich die Hatzenporter Nussbaumallee “voll im Saft”.

 

Es ist wirklich erstaunlich, wie die Hoffnung auf einige frische, hartschalige Delikatessen so manchen Zeitgenossen in aller Herrgottsfrühe in die Allee treibt. Ob´s stürmt oder schneit  –  die echten Nussfans sind schon ab 5 Uhr morgens mit Taschenlampe unterwegs! Wer zuerst kommt, kann aus dem Vollen schöpfen.

Ertappt! Nuss-“Diebe” wohin man schaut!

 

Die Krähen beobachten das Spiel aus den Bäumen heraus, oder  werfen gezielt Nüsse über der Straße ab und warten dann, dass ein Auto  die Nuss überfährt. So geknackt, muss sie nur noch aufgepickt werden. 

In Richtung Löf, schon auf der “Furt”, markierte jahrzehntelang ein stattlicher Walnussbaum die Grenze zum Nachbarort. Wenn es hieß “bis an de Noossbaam” war jedem klar, dass dieser Grenzbaum gemeint war. Aufgrund von Altersschwäche und ständiger Attacken, sprich Astkürzungen seitens der Eisenbahn, wurde 2010 ein Ersatz nötig.

Da kam wie gerufen, dass in unserem großen “Bann”-Wingert ein vergessener Walnusswintervorrat eines Eichhörnchens oder eine vom Eichelhäher verlorene Nuss kräftig gekeimt hatte und ein 2 m hoher jugendlicher Walnussbaum eine neue Heimat brauchte. Thomas hat ihn auf die Löfer Furt, etwas unterhalb des alten “Noossbaams” gepflanzt. Mittlerweile ist ein ordentliches Exemplar draus geworden.

 

Fun fact zum Schluss: diese Woche hat man mir plausibel erklärt, dass auf vielen einsam gelegenen Bauernhöfen oder Schrumpftalmühlen der Standort des obligatorischen Walnussbaums direkt neben dem Plumpsklo war. Man erhoffte sich vom würzigen Geruch der grünen Walnussschalen einen “Mückenabwehreffekt”. Eine kühne These, der man mal auf den Grund (also im übertragenen Sinne!) gehen sollte. 😉

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