Wenn der Bauer hinter´m Ofen pennt…..

….der Winzer in den Weinberg rennt  –  um hier mal wieder das passende Zitat meines Landwirtkollegen Matthias H. anzubringen (diesmal als Überschrift).

Wir befinden uns in der Zeit des Hochwinters, auch wenn mir das nicht ganz so überzeugend aus den Tasten kommt. Tiefsttemperatur bisher: -2,3°Celsius am 3. Januar um 2.00 Uhr    Ausbaufähig, wie ich finde, aber immerhin schon eine Ecke kälter als die Tiefsttemperatur des gesamten Januars 2018: -1,8°C am 15. Januar 1.00 Uhr. Die Wetter-Auguren raunen, dass es ab kommendem Wochenende tatsächlich richtig frostig kommen könnte, aber die erfahrenen Meteorologen wissen es  –  alles was über die Drei-Tages-Prognose hinausgeht, ist „Kaffeesatzleserei“ und man kann auch würfeln. Nichtsdestotrotz würde es mich freuen, mal wieder einen Glühwein auf dem zugefrorenen Bahnhofstümpel zu schlürfen. Na, wann hatten wir zuletzt das Vergnügen? Richtig, am 12. Februar 2012 bei -13°C! Nur wenige Tage vorher, am 7.2. haben wir die seit Bestehen der Agrarwetterstation (2005) niedrigste Temperatur gemessen: -17,3°C!

Also, falls die Esel mal wieder Gelegenheit haben, auf´s Eis gehen zu können – der passende Blog ist heute schon versprochen.

Früher, sehr viel früher, war es so kalt um diese Zeit, dass sogar der Winzer hinter´m Ofen  –   nicht pennte, aber Weiden spleißte. Im Keller wurde fleissig Jungwein probiert und wenn´s einigermaßen temperaturmoderat war, ging´s an den Rebschnitt. Im Grunde praktizieren wir Traubenhüter diesen klassischen „Winterdreikampf“ ja immer noch, lediglich das Weiden spleißen wird durch „Strohballen schleppen“ ersetzt.

Was aber über all die Jahrhunderte Weinbau an der Mosel gleich geblieben ist: beim Rebschnitt ist die beste Zeit zum Sinnieren, Philosophieren, zur Ruhe kommen. Der Schnitt geht quasi intuitiv von der Hand und die Gedanken sind frei.

… und die Gedanken sind frei…

Geschätzte 80% aller Winzer bezeichnen den Rebschnitt als ihre liebste Tätigkeit und das hat tatsächlich mit dieser Reduktion auf sich selbst zu tun. Wird der Drang zur Kommunikation dann doch mal groß, bleiben einem immer noch die hölzernen Zuhörer. Unvergessen die Worte von Senior Felix (auch so ein Rebschnittfanatiker) zu seinen Schützlingen, wenn er an einem Stock mit vier oder fünf „guten Trieben“ auf zwei reduzieren musste: „Dot ma leid, Hansi, owa dau mooss fott!“  (..und die Reben hießen alle „Hansi“!).

In der Natur ist zur Zeit wirklich einigermaßen Ruhe eingekehrt und das ist wichtig. Nach dem trockenstressigen Jahr ist „Urlaub“ das Gebot der Stunde für die gesamte Vegetation. Ausnahmen bestätigen die Regel: Nieswurz und Christrose bestätigen ihren Ruf als Frühblüher auch dieses Jahr.

Und bei uns hier an der Terrassenmosel fehlt nach nur fast wüstenhaften 420 l/m² Gesamtniederschlag (Durchschnitt der Sonneninsel Ibiza!) in 2018 echt noch eine Menge Wasser. Es muss ja nicht gleich Hochwasser sein.

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