Wenn Steine erzählen..

Trockenmauerästhetik pur!
Welch „verück(t)ende Kraft“ hat hier wohl was verschoben?

In der Regel befassen sich die Traubenhüter ja mit der belebten Natur. In der Winterzeit ist das naturgemäß nicht so doll. Die Terrassenmosel ist aber nicht nur ein absolut einzigartiger Artenvielfaltsbrennpunkt, auch geologisch gibt es einige richtig faszinierende Schön- und Besonderheiten. In der Vorbereitung auf eine vor Jahren geplante Wanderung mit dem Titel „Wenn Steine erzählen…“, ist uns Traubenhütern auch in dieser Beziehung ein helles Licht aufgegangen. Ganz besonders Magdalena kennt sich in der Erdgeschichte mittlerweile ganz gut mit den Millionen, ja sogar mit den -zig und hunderten Millionen (Jahren) aus. Dass Devon irgendetwas mit unserem Schiefer zu tun hat, haben die meisten Weinfreunde schon mal mitgekriegt, dass wir da aber locker von fast 400 Millionen Jahren reden  –  wer hat jemals probiert, sich diese Zeitspanne vorzustellen? ( Mir kommen meine 56 Lenze ja schon wie eine halbe Ewigkeit vor  –  und nur eine Million ist schon etwas mehr! ).

Quarzadern zeichnen rätselhafte Linien in den Stein
Erst flüssig – dann erstarrt?

In diesen unvorstellbar langen Zeiträumen ist die geologische Struktur unserer heutigen Heimatregion schon vielfach grundlegend neu geordnet worden. Ozeane sind schon drüber geschwappt, Gebirge hoben sich, wurden gefaltet, erodierten, wanderten mit Hilfe von, auf glühendem Magma schwimmenden Kontinentalschollen von der heutigen Nordhalbkugel in den Süden und wieder zurück  –  und zu allem Überfluss hat der Vulkanismus auch noch mitgemischt. Sehr schwierig, da den Überblick zu behalten. Ich will es an dieser Stelle auch gar nicht erst versuchen zu erklären. Wer sich einlesen will:  das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz hat ein klasse Buch mit dem Titel „Steinland-Pfalz“ (das Wortspiel könnte von mir sein..) herausgegeben. Für Geologie-Fans ein absolutes Muss!

Diese eindrucksvolle Faltung kann man oberhalb von Schloß von der Leyen in Gondorf bestaunen
Gewaltige Kräfte waren hier zugange
„Sandwich – Schichtung“ des Schiefergesteins
Felsnadel am Klettersteig Rabenlay

Als wir uns also ein bißchen mehr mit Steinen allgemein in unserer Region beschäftigt haben, war es doch erstaunlich, wo sie uns überall begegnen: Trockenmauern aus Bruchsteinen, Moselkiesel, Schieferplatten, dicke Steine, kleine Steine, Schieferwacken, Steinbrüche, Felsköpfe, Steine mit Quarzeinschlüssen, rote, graue, schwarze und weiße Steine, Basalt, Brekzien, Vulkangestein…… Diese Vielfalt in der Geologie ist mit ein Grund, warum auch insbesondere unsere Pflanzenwelt sich hier so abwechslungsreich zeigt. Nicht zuletzt käme für die Winzer an dieser Stelle der Begriff „Terroir“ ins Spiel (da machen wir aber mal einen Extra – Blog draus).

„Durch diese hohle Gasse“ kommt man im Hatzenporter Kirchpfad
Eisenausscheidungen im Schiefer zaubern abstrakte Kunst ins Gestein (auch Hexenkessel genannt)
Der Steinpfropfen erscheint wie künstlich eingesetzt

Die Stars unter den Gesteinen sind natürlich die, in denen Fossilien zu finden sind. Millionen Jahre alte steinerne Zeugen einer vergangenen Zeit!

Ein „Wahnsinns – Fossilienstein“ – so etwas haben wir bisher kein zweites Mal mehr gefunden.

 

Detail aus dem „Superstein“
Eine Brekzie(?) – seit Jahrhunderten in der Trockenmauer verbaut
Seelilienabdrücke im frischen Schlamm – das haben 400 Millionen Jahre draus gemacht
Ein seltener Abdruck mitten in einer Trockenmauer verbaut

 

2 Gedanken zu „Wenn Steine erzählen..“

  1. Ein gut recherchierter und interessanter Einblick in die Mosel-Geologie!
    Es macht immer wieder Spaß, bei Euch beiden reinzuschauen.

  2. Kompliment an die Hobbygeologen!!! Eure Bilder beeindrucken selbst den studierten Geografen,der sich im Studium auch intensiv mit der Ge0logie beschäftigt, insbesondere der Eifel. Unsere Professoren hatten nicht diese typischen Fotos! Steine können „reden“. Man muss es nur verstehen oder einen Dolmetscher wie Magdalena haben!
    Es ist zu wünschen, dass viele Leser den Text mit den Bildern wahrnehmen. Besonders zu wünschen wäre, dass sich viele Interessierte auf den Weg an die Mosel machen würden.
    Weiter so mit den Entdeckungen, die es auch ganz in der Nähe gibt!

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